Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Kritik am Libyen-Einsatz

von Andreas Wiedenhaus 

Diese Kritik am aktuellen Libyen-Einsatz der internationalen Koalition war deutlich: Der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen hat in seiner Eigenschaft als Pax-Christi-Präsident während der Paderborner Bistumsversammlung der katholischen Friedensbewegung die Haltung der westlichen Staaten als von Inkonsequenz geprägt gegeißelt.

Sie sei das Ergebnis einer Politik der „Doppelzüngigkeit“, sagte Algermissen mit Blick auf die Luftschläge zur Durchsetzung der Flugverbotszone. Insbesondere sein Vorwurf, dass man Gaddafi lange habe gewähren lassen, trifft dabei ins Schwarze: Als sich der libysche Diktator angesichts der afrikanischen Flüchtlingsproblematik den EU-Staaten gegenüber kooperativ zeigte, wurde er plötzlich wieder gesellschaftsfähig. Und nicht zuletzt der Ölreichtum des Landes ließ so manchen Politiker und Geschäftsmann ein Auge zudrücken.

Nun kann man dem Fuldaer Bischof entgegenhalten, die Luftangriffe hinderten den Diktator daran, sein eigenes Volk abzuschlachten. Trotzdem hat Algermissen mit seiner Kritik eine ganze Reihe von weiteren berechtigten Fragen aufgeworfen: Unter anderem auch die, was nach Gaddafi geschehen soll. Die Erfahrungen in Afghanistan zeigen allzu deutlich, dass mit der Vertreibung eines Unrechtsregimes nur ein Teilerfolg erzielt wird. Wie soll mit der libyschen Freiheitsbewegung, so sie sich letztlich durchsetzt, umgegangen werden?

Wohin ein Eingreifen führt, dass all diese Themen ausblendet, zeigt das Beispiel Afghanistan mit bitterer Deutlichkeit. Auch das hat der Pax-Christi-Präsident in diesem Zusammenhang noch einmal zu Recht betont. 


24.05.2012
Impressum | Kontakt
4002