Aktuelle Ausgabe
2012-20

Frühstückstreff für Frauen in Witten

Loslassen lernen

Am Büchertisch konnten die Frauen stöbern und Literatur zum Thema erwerben. Foto: Piela

Witten. Knusprige Brötchen, duftender Kaffee und ein interessanter Vortrag, das ganze eingerahmt von besinnlicher Musik: Das sind die Zutaten für einen gelungenen Samstagvormittag. In der Holzkamp-Gesamtschule in Annen ließen sich rund 120 Frauen „Die Kunst des Loslassens“ erläutern. Eingeladen hatte der überkonfessionelle Verein „Frühstück-Treffen für Frauen“, dessen 20 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen keine Mühe gescheut hatten, ein leckeres Frühstücksbuffet mit allem, was dazugehört, vorzubereiten.

von Ingrid Piela

Die Psychotherapeutin und Paarberaterin Kerstin Kurzius schaffte es mit ihrem interessanten Vortrag, die große Anzahl von Frauen so zum Schweigen zu bringen, dass man die sprichwörtliche Stecknadel hätte fallen lassen können. „Loslassen“ war angesagt, als der Wille auf der Straße wuchs, kurz bevor die Mauer fiel, die die beiden Teile Deutschlands trennte.
„Das mussten die Ostdeutschen selber tun, das war eine Selbstbefreiung“, so die Referentin. „Wir mussten uns neu orientieren, alles hinter uns lassen.“ Alles hinter sich zu  lassen, fordert das Leben auch an anderen Stellen. Bei so schlichten Alltagsangelegenheiten, wie die alte Lieblingswolljacke irgendwann „loszulassen“ oder die Herausforderungen im Lebenszyklus anzunehmen. Dann ist die „Entwicklungsaufgabe“ gestellt, denn Leben ist Bewegung. Meist kommen gleichzeitig Krisen dazu. Die Kinder gehen ihren Weg, verlassen das Nest, und die Eltern geraten in eine Krise der Lebensmitte. Lebenspläne sind gescheitert, Trennung, Krankheit und Tod ins Leben getreten.
Wenn dann die Seele schweige, spreche der Körper, erläuterte die Referentin. So sei es gut, Kopf, Gefühle und Handeln als Einheit zu sehen und Schritt für Schritt die Entwicklung in die Hand zu nehmen. Nach einem schmerzhaften Ereignis gehöre Verharren und ein Stück Selbstmitleid dazu. Irgendwann komme dann die Erkenntnis „Ich will nicht mehr, ich muss die Vergangenheit akzeptieren.“ Das sei der Zeitpunkt, Lösungen für Veränderung zu suchen. Ein Netzwerk aus Freunden könne dabei helfen, aber auch die Besinnung auf Gott.
Die überkonfessionellen Frühstückstreffen für Frauen nahmen vor gut 20 Jahren ihren Anfang in der Schweiz und schwappten aufgrund des großen Erfolgs dann nach Deutschland über. Mittlerweile treffen sich in 225 Städten in Deutschland Frauen, um sich zweimal im Jahr zu Lebens- und Glaubensfragen auszutauschen.


24.05.2012
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