Katholischer Trägerverbund wünscht sich mehr Unterstützung für „Multiproblemfamilien“
„Mal eben“ helfen reicht nicht

- Bei der Hilfe für die wachsende Zahl von „Multiproblemfamilien“ ist Kontinuität gefragt sind sich Harald Teschner, Pädagogischer Leiter der Vincenzheim Ausbildungsstätten Dortmund, Friedhelm Evermann, Leiter der Jugendhilfe St. Elisabeth, der stellvertretende Geschäftsführer des Dortmunder Caritasverbandes, Manfred von Kölln, einig (v . l.). Foto: Piela
Dortmund. „Multiproblem-Familien brauchen unsere Hilfe!“ Diese Bilanz zieht der katholische Trägerverbund „Ambulante Hilfen zur Erziehung“ (Vincenzheim, Jugendhilfe St. Elisabeth und Caritasverband). 123 Familien hat der Verbund im vergangenen Jahr betreut und dabei festgestellt, dass die soziale Isolation von Familien steigt, die Zahl psychischer Erkrankungen in Familien zunimmt und wachsende Armut immer spürbarer wird.
Seit Jahren sei ein Zuwachs an Aufträgen spürbar, gegenüber dem Jahr 2004 habe sich diese Zahl sogar verdoppelt. Für rund zwei Drittel der Familien war diese ambulante Erziehungshilfe nicht die erste Hilfemaßnahme, sondern eine Anschlusshilfe oder eine wieder aufgenommene Hilfe. „Mehr Nachhaltigkeit“ fordert der Stellvertretende Geschäftsführer des Dortmunder Caritasverbandes, Manfred von Kölln. Wenn die erste Not behoben sei, dürfe nicht aufgehört werden. Eine kontinuierliche Betreuung sei stattdessen erforderlich. Friedhelm Evermann, Leiter der Jugendhilfe St. Elisabeth, wünscht sich deshalb mehr Geld für die erzieherischen Hilfen sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich.
Nicht nur die öffentlich vielfach diskutierten, schwerwiegenden Fälle von Kindeswohlgefährdung und mangelndem Kinderschutz im gesamten Land wiesen auf steigenden Unterstützungsbedarf hin, sind sich die Experten einig. Auch in Dortmund werde in vielen Familien die Grundversorgung zum wachsenden Problem. Zwanzig Einzelprobleme wurden ausgemacht. Darunter finden sich verschiedene Formen von Süchten genauso wie Kinder, die Gewalt erlitten hätten. Trennung, Arbeitsplatzverlust oder Verschuldung sind gängige Problemsituationen, mitunter hapert es aber auch „nur“ im alltäglichen Leben, wenn Wäscheberge sich türmen und der Müll nicht mehr hinausgetragen wird.
Der Begriff „Multiproblemfamilien“ treffe mehr und mehr zu. Evermann: „Es ist nie die Trennungssituation oder das Suchtverhalten alleine.“ Gerade die Kinder seien von der wachsenden Isolation der Familien betroffen. In vielen Fällen sei nicht „mal schnell“ zu helfen. Die Menschen würden sich nicht öffnen, weil sie sich schämten. Gerade Jugendliche tauchten in die „Online-Welt“ ab. In einer ansteigenden Zahl von Fällen seien die Eltern psychisch erkrankt mit der entsprechenden ärztlichen Diagnose.
Da stelle sich die Frage, ob die Kinder aus der Familie herausgenommen werden müssten. Gerade wenn Krankheiten in Schüben verliefen, führe dies zu Problemen. Dann sei ein Helfernetz erforderlich, damit die Entwicklung der Kinder nicht gefährdet werde. Die Helfer müssten einen guten Kontakt zu den Familien entwickeln. Nur wo Vertrauen herrsche, könne Unsicherheit und Misstrauen abgebaut werden. Viele Familien seien dankbar für die Hilfe. Evermann: „Kontinuität und Intensität weiter entwickeln macht Sinn.“ Harald Teschner, Pädagogischer Leiter der Vincenzheim Ausbildungsstätten in Dortmund, mahnt, nicht erst Bereitschaft und Hilfen zu bewilligen, wenn es „schwere Fälle“ gebe. ip






