Gedanken zum Evangelium
Maria – Zeichen unserer Hoffnung
In der Aufnahme Mariens in den Himmel sieht Schwester Mediatrix Altefrohne unsere Zukunft vorgezeichnet, wenn wir glaubend und liebend unseren Weg gehen.
von Sr. Mediatrix Altefrohne
Wenn die Kunst, ob in Malerei, Schrift oder Musik, über die Aufnahme Mariens in den Himmel berichtet, schwelgt sie in Farben und Formen, sie wird überschwänglich. Sie sucht etwas auszudrücken, was doch nicht fassbar ist. „Maria wird mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen!“
Die biblischen Lesungen dieses Tages sind dagegen nüchtern, mehr ein Bericht über die Lasten, die Gefahren des Lebens der Gottesmutter. Zwar ist das Zeichen am Himmel – die Frau, die von der Sonne umkleidet ist –, groß und imposant (Erste Lesung). Aber da gibt es auch die Bedrohung durch den Drachen, der das Kind der Frau vernichten will. Die Zweite Lesung aus dem Ersten Korintherbrief bekennt den Glauben an die Auferstehung Jesu Christi von den Toten: Jesus hat den Tod besiegt. Aber dieser Sieg steht am Ende eines langen Weges, der gezeichnet ist von Kampf, Macht und Gewalt.
Das Evangelium dagegen spricht direkt von Maria, der Mutter des Herrn. Sie begegnet uns aber nicht als Königin, sie ist eine auf dem Weg. Sie geht allein, sie „eilt“, sagt der biblische Bericht, zu einer Stadt im Bergland von Judäa. Der Weg ist beschwerlich, Volksfrömmigkeit weiß von einem Dornwald, den Maria durchqueren muss. Maria ist schwanger, sie trägt nicht nur die Last werdenden Lebens, sie trägt auch ein großes und tiefes Geheimnis mit vielen Fragen, auf die sie keine Antwort weiss. Nur eines hält sie: ihr Glaube an die göttliche Botschaft des Engels, auch wenn sie nicht versteht. Erst am Ende des Weges bestätigt Elisabeth der jüngeren Verwandten: „Selig bist du, die geglaubt hat …“ Dieser Gruß, diese Seligpreisung, löst ihre Zunge und sie singt: „Meine Seele preist die Größe des Herrn …; von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.“
An Maria offenbart sich die Macht und Größe Gottes. „Großes hat der Mächtige an mir getan …“ Das ist das Geheimnis dieses Festes: Rühmen wir Gottes Gnade und sein erlösendes Tun, rühmen und preisen wir zugleich den Menschen, Maria, die Mutter des Herrn. Wenn wir Mariens Größe und Erwählung besingen, ist dieses Lob zugleich ein Danklied an den Herrn.
An Maria wird offenbar, was der Mensch werden und sein kann. Maria hat geglaubt und sie hat glaubend und vertrauend Gott wirken lassen! Sie hat sich lieben lassen von Gott; auch wenn sie diese Liebe nicht immer verstand, sie hat dennoch an die Liebe geglaubt. Sie war ganz und gar Mutter, sie liebte ihren Sohn mit allen Fasern ihres fraulichen Herzens und musste immer wieder erfahren, „wie er, vom Geheimnis Gottes her lebend ihr entwuchs. Immer wieder hob er sich über sie hinaus, sodass sie den Schnitt des Schwertes spürte. (Lk 2,35); aber immer wieder hob sie sich im Glauben ihm nach und umfing ihn neu …“ (Romano Guardini)
So zu leben, so zu lieben und das alles glaubend und vertrauend, – das ist Mariens Größe. Und wenn wir heute ihre Aufnahme in den Himmel feiern, denken wir an dieses Wunder der Gnade und an ihr erfülltes Leben. Silja Walter lässt uns zu Christus beten: Du hast uns auf den schmalen Weg geholt, den deine Mutter ging.
Dieser Weg bist du. – Du hast uns dich als deinen Weg geschenkt, den deine Mutter ging. Dein Weg führt hin zum Kreuz. – In ihm ist deiner Mutter Herrlichkeit auch für uns aufgespart.
Wir feiern ein Fest des Glaubens: Maria in der himmlischen Herrlichkeit des Sohnes – uns mütterlich zugewandt und nah. So will und kann Gott handeln am Menschen, wenn dieser sich Gottes Händen überlässt. Darum ist Maria für uns ein Zeichen unserer Hoffnung. Wir verehren sie als die, die lebt, die jenseits des Todes im Leben Gottes ganz angekommen ist, in ihrer und unser aller Heimat. Maria ist da, wo unsere letzte Bestimmung festgemacht ist.







