Gedanken zum Evangelium
Mehr Frieden in die Welt bringen
Das Geschenk des auferstandenen Herrn ist der Friede. Dieser soll zu allen Menschen gelangen.
von Christian Wütig
„Ich will sehen, wie Wolf und Lamm einträchtig weiden und der Löwe Stroh frisst wie ein Stier.“ So heißt es in der zweiten Zeile des Liedes: „Das will ich sehen“ der Popsängerin Sabrina Setlur. Darin greift sie die Vision des Propheten Jesaja (Kapitel 11) von Gottes Friedensreich auf, das mit dem Messias anbrechen wird. „Ich will sehen, wie kein Schaden gestiftet wird noch irgendwie Verderben“. Fast ist man geneigt, dem Lied am Ende den Satz hinzuzufügen, den der Apostel Thomas im Evangelium sagt: sonst „glaube ich nicht“.
In der Tat: Wir tun uns heute sehr schwer, an Gottes Friedensherrschaft zu glauben angesichts von so viel Schaden und Verderben in der Welt: bewaffnete Konflikte in Libyen, Tsunami in Japan und Flüchtlingsdramen weltweit. Anscheinend macht Gott es uns schwer, an seine Verheißung zu glauben.
Und dennoch: Das erste, was der auferstandene Jesus den Jüngern verkündet, ist: „Friede sei mit euch!“ Gleich dreimal hören wir dies im heutigen Evangelium. Gegen die Mutlosigkeit der Jünger, deren Hoffnung durch seinen Tod am Kreuz am Boden liegt, ruft er ihnen seinen Frieden zu und verkündet: Der Tod ist nicht mehr.
Und er sendet sie aus, diese Botschaft des Friedens und der Versöhnung weiterzusagen, indem er ihnen die Vollmacht gibt, die Sünden zu vergeben in der Kraft des Heiligen Geistes. Hier wird deutlich, warum der Messias, den Jesaja schon in seiner Vision als Friedensfürst beschreibt, den Jüngern nach seiner Auferstehung zuerst den Frieden verkündet: Denn mit seinem Tod und seiner Auferstehung hat Jesus den Tod besiegt und uns mit Gott versöhnt (3. Hochgebet). Wenn wir an ihn glauben, können wir, von unseren Sünden befreit, in seinem Frieden leben. Frieden ist daher Geschenk des Auferstandenen an uns.
Wer von uns kennt nicht dieses Gefühl des tiefen inneren Friedens, wenn er offen seine Fehler bekennen kann und Verzeihung erfährt? Doch dieser innere Friede ist nur ein Aspekt der Botschaft Jesu. Jesus sendet auch uns wie seine Jünger aus, die Botschaft vom Frieden in die Welt hinauszutragen. Er verpflichtet uns zum Friedenszeugnis in der Welt. „Das will ich sehen“, wiederholt Sabrina Setlur in ihrem Lied immer wieder. Natürlich können wir nicht die Konflikte auf der arabischen Halbinsel oder die Folgen der Tsunamis weltweit lösen.
Jesus sendet seine Jünger ohne ein konkret begrenztes Ziel aus. Sie sollen seine Botschaft des Friedens überall leben. Für uns bedeutet das: In allen unseren Lebenszusammenhängen sollen wir den Frieden des Auferstandenen leben; nicht nur in unserer Pfarrgemeinde, sondern auch in der Familie, bei den Nachbarn, im Straßenverkehr, an der Supermarktkasse oder auf der Bank. Probleme ansprechen, bevor sie eskalieren; Konflikte nicht schüren, sondern besänftigend wirken. Schon mit kleinen Schritten können wir seinen Frieden verbreiten.
Mit seinem Heiligen Geist, den auch wir durch ihn empfangen haben, gibt Jesus uns die Kraft dazu.
Diese Kraft hat die Apostel bis an die Enden der Erde geführt. Wir brauchen nicht erst so weit zu reisen, um die messianische Friedensbotschaft zu verkünden. Es fängt schon damit an, wenn wir unserem Nachbarn den Frieden zusprechen.
Dann verwirklichen wir ein Stück der Vision des Propheten Jesaja und zeigen auf, was die Sängerin Sabrina Setlur in ihrem Lied nicht aufzeigt: Dass der Auferstandene uns beauftragt mitzuhelfen, damit sein Friedensreich Wirklichkeit wird: Und: „Das will ich sehen“!







