Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Islamunterricht auf Deutsch

von Andreas Wiedenhaus

In Nordrhein-Westfalen soll Islamunterricht ab dem Schuljahr 2012/2013 „ordentliches Lehrfach“ werden. Das sieht ein gemeinsamer Gesetzentwurf von SPD, Grünen und CDU vor, über den der Düsseldorfer Landtag in erster Lesung beraten hat. Die FDP äußerte „Sympathie“ für den Entwurf, die Linken lehnten ihn ab, weil sie grundsätzlich gegen Religionsunterricht an Schulen sind.

Für landesweit rund 320 000 Schüler muslimischen Glaubens soll so das Grundrecht auf Religionsunterricht erfüllt werden. Laut Schulministerin Löhrmann von den Grünen ist dieser Unterricht die „folgerichtige Entscheidung“, wenn man es mit der Integration ernst meine.

Das mag manchem, der die Situation von Christen in muslimischen Ländern vor Augen hat, übertrieben und vielleicht sogar unangebracht vorkommen. Letztlich geschieht damit aber etwas, was lange überfällig war und gerade den Kritikern des Islam entgegenkommen dürfte: Der Islamunterricht wird aus der Grauzone geholt und unter staatliche Aufsicht gestellt. Natürlich unter der Voraussetzung, dass dieser Unterricht in deutscher Sprache erteilt wird. Dazu darf es keine Alternative geben. Laut Schulministerin wünschen rund 80 Prozent der 1,5 Millionen Muslime in Nordrhein-Westfalen solchen Unterricht in Deutsch. Das klingt gut.

Allerdings ist damit keinesfalls das Ende der „Koranschulen“ besiegelt, die oft den Nährboden für das Abdriften in Parallelgesellschaften bilden und die staatlicher Kon-trolle entzogen sind. Zu hoffen ist allerdings, dass deren Bedeutung mit der Einführung des Schulunterrichtes rapide abnimmt.


24.05.2012
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