Aktuelle Ausgabe
2012-20

Drei Jahre nach dem „Elias“ soll in Lippstadt nun auch das „Paulus-Oratorium“ erklingen

Mendelssohn in St. Nicolai

Dem Paulus-Oratorium möchte sich an diesem Sonntag der Kammerchor Lippstadt (Bild) stellen. Verstärkt wird er durch das Collegium Vocale. Den Orchesterpart übernimmt das Göttinger Symphonie Orchester. In der Titelrolle wird Markus Krause zu erleben sein, der schon beim „Elias“ das Publikum zu begeistern wusste. Die Gesamtleitung des Konzerts liegt in den Händen von Harduin Boeven.

Lippstadt. Es gibt nur wenige biblische Figuren, die so präsent sind wie der Apostel Paulus. Ihm, dessen „Damaskus-Erlebnis“ ebenso sprichwörtlich geworden ist wie sein Wandel vom „Saulus zum Paulus“, widmete Felix Mendelssohn-Bartholdy sein erstes Oratorium, das zum ersten Mal 1836 auf dem Rheinischen Musikfest in Düsseldorf mit triumphalem Erfolg erklang und danach seinen Siegeszug durch die Konzertsäle Europas und Amerikas antrat. Das monumentale Werk wird zu Beginn des neuen Jahres, an diesem Sonntag, 30. Januar, um 16.30 Uhr in St. Nicolai Lippstadt erklingen – fast genau drei Jahre nachdem dort Mendelssohns zweites Oratorium, der „Elias“, dargeboten wurde. 

Zu Lebzeiten des Komponisten war der „Paulus“ das beliebteste seiner Werke. Es besteht aus zwei Teilen. Der erste handelt von der Steinigung des Stephanus, an der Saulus/Paulus als junger Soldat beteiligt war sowie von seiner Lebenswende vom Saulus zum Paulus. Der zweite Teil berichtet von seiner Missionstätigkeit bei Juden und Heiden. Sein Martyrium wird am Ende in einer Szene des Abschieds nur angedeutet. Insgesamt geht es Mendelssohn nicht in erster Linie um die Nacherzählung der Apostelgeschichte, sondern um die Darstellung der Persönlichkeit des Apostels Paulus. Im Schlusschor zieht Mendelssohn das Fazit, dass nicht nur Paulus die Gerechtigkeit Gottes durch seine Standhaftigkeit erfährt, sondern „alle, die seine Erscheinung lieben“. Daraus lässt sich schließen, dass der Inhalt des Oratoriums einen allgemeinen Appell zur Umkehr und Bekehrung darstellt.

Musikalisch hat das Werk eine Menge zu bieten und besticht durch seine üppige Ausdrucksvielfalt. Neben kräftigen, groß angelegten Chören beinhaltet der „Paulus“ auch eingängige, gefühlvolle Arien und schlichte Chorsätze. Die Stimme Christi wird durch einen 4-stimmigen Frauenchor dargestellt, was einen ganz besonderen ätherischen Effekt erzielt.

Formal fühlte sich Mendelssohn sehr der Tradition Johann Sebastian Bachs verpflichtet. Die Choräle als wesentliche Elemente des Oratoriums setzte er allerdings nicht nur als Kommentar der Handlung ein, sondern auch als effektvolles dramatisches Mittel. Hierdurch erwachsen dem Chor überaus umfangreiche und anspruchsvolle Aufgaben. Diesen wird sich der Kammerchor Lippstadt, verstärkt durch das Collegium Vocale, stellen. Den Orchesterpart übernimmt das Göttinger Symphonie Orchester, wodurch eine mehrjährige, fruchtbare Partnerschaft fortgeführt wird. In der Titelrolle wird Markus Krause zu erleben sein, der schon beim „Elias“ das Publikum zu begeistern wusste. Ergänzt wird das Solistenquartett durch Heike Hallaschka (Sopran), Birgit Görgner (Alt) sowie Clemens Löschmann (Tenor). Der Orgelpart wird von Helmut Burgmer übernommen. Die Gesamtleitung des Konzerts liegt in den Händen von Harduin Boeven.

Zum besseren Verständnis des monumentalen Werkes wurde bereits am Sonntag, 16. Januar, im großen Probensaal der Musik in St. Nicolai eine Einführung angeboten. Pfarrer Hermann Niederbremer hat das Oratorium aus theologischer Perspektive beleuchtet, während Harduin Boeven  anhand von Klangbeispielen am Flügel auf die musikalischen Besonderheiten des Stückes „Paulus“ einging. Karten sind in den örtlichen Sparkassen der Region sowie in den Geschäftsstellen der Lippstädter Tageszeitung „Der Patriot“ erhältlich.


24.05.2012
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