Bernd Schlipköther schreibt Biografie über Mindener Bischof Otto von Wall
Minden und Region in neuem Licht
Minden. Es wird nur noch wenige Monate dauern, bis der Bielefelder Bernd Schlipköther im nächsten Jahr seine Biografie über Otto von Wall, Bischof von Minden 1267–1275 der Öffentlichkeit vorstellen kann. Die Arbeit setzt sich die literarische Verarbeitung der historisch dokumentierten Ereignisse zum Ziel. Schlipköther folgt damit einem modernen Typus literarischer Geschichtsdarstellung.
von C. El-Sauaf-Harmuth
Seit zwanzig Jahren erforscht der Historiker in Deutschland, Frankreich und Italien die Lebensgeschichte dieser mittelalterlichen Persönlichkeit, die das geistliche und weltliche Leben seiner Zeit über die Grenzen des Bistums Minden hinaus mitprägte.
Im Rahmen seiner Recherchen entdeckte Schlipköther unter anderem eine Zeichnung des Epitaphs von Otto I. von Minden, die aus dem 17. Jahrhundert stammt und heute in der französischen Nationalbibliothek in Paris aufbewahrt wird. Damit steht seit Kurzem ein druckfähiges Bild der Grabplatte des Mindener Bischofs, die sich im Kloster der Dominikaner in Dijon befand, zur Verfügung.
Otto wird 1215 in Stendal geboren. Den Namenszusatz „von Wall“ erhält er im Lauf seiner militärischen Karriere, denn er verstand es, die Lage wallartiger Bodenerhebungen strategisch geschickt einzusetzen. Seine Laufbahn als Soldat beendet er mit 26 Jahren, als seine Frau und mit ihr das Neugeborene im Kindbett sterben. Statt sich – wie damals üblich – die nächste Frau zu suchen, ist Otto „untröstlich“ – wie die Quelle berichtet – und tritt zum Unverständnis seiner Kriegskameraden in den Bettelorden der Dominikaner ein.
1244 wird er von seinen Ordensoberen zum Studium nach Paris geschickt, wo er u. a. bei Albertus Magnus und Thomas von Aquin studiert und zum Dr. der Theologie promoviert wird. 1254 wählt man ihn zum Dominikanerprior für das neue Kloster in Seehausen, 20 Meilen nördlich von Stendal in der Altmark Brandenburg. Mit Albertus Magnus reist er über Minden dorthin. 1261 wird Otto von Wall zum leitenden Kanzleibeamten am päpstlichen Hof in Viterbo berufen. Als Sekretär und Kaplan ist er sechs Jahre für den bedeutenden italienischen Juristen Kardinal Henrico di Susa tätig. Diese Berufung betreibt der Mindener Dominikanerprovinzial, Jurist und hohe Kirchenbeamte Hermann von Minden.
Im August 1267 ernennt Papst Klemens IV. Otto von Wall zum Bischof von Minden. Ottos Verhältnis zur Bürgerschaft Mindens ist von Anfang an gut. Er lässt als Stadtherr eine feste Weserbrücke errichten, die Stadtmauer zügig ausbauen und senkt die überhöhten Zinsforderungen der Geldverleiher. Das kommt den Handwerkern und Kaufleuten zugute. Arme Scholaren werden besser versorgt und am Dom wird mit dem Bau des Langhauses begonnen, wodurch die Bindung der Mindener an die Kirche gefestigt wird. Die Förderung des dominikanischen Frauenklosters St. Marien in Lahde indessen scheitert am Widerstand der Edelherren vom Berge, die auch Vögte der Mindener Kirche sind. Heftige Auseinandersetzungen mit einem Teil der Mindener Edelherren werden seine Amtszeit überschatten.
Nachdem er das 2. Konzil von Lyon, das am 7. Mai 1274 von Papst Gregor X. eröffnet wird, mit vorbereitet hat, reist er nach Ende des Konzils, bereits von Krankheit gezeichnet, zurück nach Minden. In Dijon in Burgund stirbt er im Kloster seiner Ordensbrüder am Samstag, dem 11. November 1274. Er wird von den Mönchen in der Chapelle Sainte Anne beigesetzt.
Das Kulturamt in Minden urteilt: „Mit der Biografie des Mindener Bischofs Otto von Wall, in der fiktive und berichtende Elemente auftauchen werden, wird einem breiten Publikum der Weg ins 13. Jahrhundert gebahnt. Die Kombination von Wissenschaft und Erzähltext macht das Buch zusätzlich für das Fachpublikum interessant, Minden und die Region werden durch die vielschichtigen Texte in die europäische religions- und gesellschaftsgeschichtliche Entwicklung eingebunden und aus einer neuen Perspektive beleuchtet.“
Die Bezirksregierung in Detmold begrüßt die Publikation ebenfalls als sehr wichtig für die Region und hat Schlipköther aufgefordert, sich bei der Regionalen Kulturkonferenz um Förderung für eine Lesereihe 2011 im Raum Ostwestfalen zu bewerben.







