Aktuelle Ausgabe
2012-20

Mescheder Benediktiner gründet mit fünf Brüdern ein Kloster auf Kuba

Mit Genehmigung Castros

Bruder Robert Sandrock gehört zu den sechs Benediktinern, die das erste Benediktinerkloster auf Kuba gründen. Foto: Jonas

Meschede. Es war eine Sensation, als Papst Johannes PaulII. 1998 das kommunistische Kuba besuchen durfte. Damals bekam der Erzbischof von Havanna, Kardinal Jaime Ortega, von Staatschef Fidel Castro auch die Genehmigung, ein Kloster zu gründen. Nach langen Verhandlungen fliegen nun fünf Benediktiner am 19. März in die kubanische Hauptstadt Havanna, um genau dies zu tun. Mit dabei ist Bruder Robert Sandrock von der Abtei Königsmünster in Meschede.

von Markus Jonas

„Ich konnte  einfach nicht widerstehen“, sagt Bruder Robert und lächelt. Als Jeremias Schröder, Erzabt der Kongregation der Missionsbenediktiner von St. Ottilien, zu der die Mescheder Abtei gehört, ihn fragte, ob er bei der Klostergründung auf Kuba mit dabei sein wolle, stimmte der 44-Jährige zu, „weil das eine Gelegenheit ist, etwas Neues anzufangen“. In Deutschland sei in den vergangenen 100 Jahren schließlich nur selten ein neues Kloster gegründet worden.
Aufgewachsen ist der gebürtig aus Geesthacht bei Hamburg stammende Robert Sandrock in Dortmund. 1986 trat er in die Mescheder Benediktinerabtei ein, wurde Lehrer für Geschichte und Physik am Gymnasium der Benediktiner in Meschede, bevor er 2007 für zwei Jahre in die Benediktiner-Abtei Peramiho in Tansania ausgesandt wurde. Weil diese Zeit kurz vor dem Abschluss stand, war Bruder Robert „frei, etwas Neues zu beginnen“, erzählt er.
Und ein Neuanfang ist es wirklich, denn das Gelände, das die kubanische Regierung den Benediktinern nahe der Kleinstadt Jaruco 30 Kilometer von Havanna entfernt zuwies, muss erstmal von Dornen befreit und urbar gemacht werden. Dann soll dort eine kleine Landwirtschaft entstehen. „Dazu werden wir auch Leute anstellen. Ich bin ja selbst kein Landwirt“, berichtet Bruder Robert. Hinzu kommt, dass er nur einen der fünf Brüder kennt, mit denen er das Kloster gründen soll: Frère Jacques aus Togo, der auch Prior des neuen Klosters sein wird. Die „Mannschaft“ wird durch zwei weitere Togolesen, einen Filipino und Pater Emmanuel Löwe aus St. Ottilien komplettiert. Pater Emmanuel, der bisher als einziger Spanisch spricht, ist seit Dezember schon vor Ort und bereitet das ehemalige Karmeliterkloster neben der Pfarrkirche El Carmelo in Havanna als Übergangsquartier vor.
„Ich habe bisher erst 140 Wörter in meiner Vokabelkiste“, gesteht Bruder Robert. „Aber eine Sprache lernt man ja am besten vor Ort.“ Sehr gespannt ist er auf die verschiedenen Kulturen, nicht nur die kubanische, sondern auch die seiner Mitbrüder aus Togo und den Philippinen. „Mich fasziniert die Erfahrung, dass Menschen woanders völlig anders ticken, dass ihnen manches völlig unwichtig ist, was uns wichtig ist.“ Diese Erfahrung hat Bruder Robert 1994 bei einem Besuch eines Krankenhauses der Benediktiner in Tansania gemacht. „Dort wuchs mein Wunsch, in solche Länder zu gehen“, sagt er. „Diese Art der Arbeit hat mich sehr fasziniert.“ Wenn die Benediktiner dort nicht helfen würden, gäbe es für die Menschen keinerlei medizinische Betreuung.
Auf Kuba lautet die Aufgabe schlicht, ein Kloster zu gründen – mit allem, was dazugehört. Der Bau werde wohl Jahre, „wenn nicht Jahrzehnte“ dauern, sagt Bruder Robert. Kardinal Ortega wolle zudem, dass die Brüder in der Jugendarbeit aktiv werden. „Wir werden schauen und fragen, was die Kirche vor Ort braucht“, erklärt Bruder Robert. Insgesamt solle das Kloster „geistliche Impulse in die Gesellschaft ausstrahlen“, beschreiben die Missionsbenediktiner in einer Pressemitteilung den Auftrag. Die Rolle der Kirche in der Gesellschaft werde „nun auch in Kuba nicht mehr abgelehnt, sondern wieder wertgeschätzt“, sagte Erzabt Jeremias Schröder. Der fragte Bruder Robert übrigens nur für die nächsten drei Jahre an. Doch wie lange es wirklich dauern wird, weiß Bruder Robert nicht: „God knows“, sagt er. Nur Gott weiß es.


Für den Anfang beziehen der Mescheder Benediktiner Robert Sandrock und seine fünf Brüder ein ehemaliges Karmeliterkloster in Kubas Hauptstadt Havanna.
24.05.2012
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