Beispiel aus Geseke zeigt, wie die Kita GmbH Hellweg die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördert
Morgens Chefin, nachmittags Mama
Geseke. „Ich muss den Kopf frei haben, wissen, dass meine Kinder gut versorgt sind, dann kann ich mich auch hundertprozentig auf meine Arbeit konzentrieren.“ Sandra Kramer-Hunold (36) spricht sicherlich allen Frauen aus der Seele, die Beruf und Familie miteinander vereinbaren. Die zweifache Mutter, Diplom-Sozialpädagogin und Bewegungspädagogin ist in der deutschen Berufswelt eine Exotin: Als Teilzeitchefin leitet sie den katholischen Kindergarten St. Josef in Geseke. Eine viergruppige Einrichtung mit 13 Erzieherinnen und 97 Kindern. Zum neuen Kindergartenjahr ist sie nach dreijähriger Babypause zurück an ihren Schreibtisch gekehrt – mit 30 Stunden pro Woche. Um dafür den Kopf frei zu haben, wie sie sagt, braucht sie im privaten Umfeld viele helfende Hände. Vor allem aber eins: einen Arbeitgeber, der mitzieht.
„Für mich war schon immer klar, dass ich gerne mal Kinder haben möchte, aber ich möchte als Mutter auch meinen Beruf ausüben können“, sagt Sandra Kramer-Hunold, die im Jahr 2000 als Leiterin im Bewegungskindergarten St. Josef angefangen hatte. Seitdem ist sie zweimal aus der Babypause zurückgekehrt. Beide Male in Teilzeit. Sowohl die Kirchengemeinde St. Petri, in dessen Trägerschaft sich ihr Kindergarten bis Juli 2011 befand, als auch der neue Träger, die Katholische Kindertageseinrichtungen Hellweg gem. GmbH, haben ihr beim Wiedereinstieg keine Steine in den Weg gelegt. Kramer-Hunold: „Im Gegenteil. Ich musste keine Vorurteile ausräumen, dass ich das etwa nicht schaffe. Bedingung war nur, dass ich 30 Stunden pro Woche machen soll.“ Weniger Arbeitszeit würde für die verantwortungsvolle Stelle als Leiterin auch nicht ausreichen, räumt die Pädagogin ein, „aber mehr würde ich wegen meiner Familie auch nicht annehmen wollen“.
Wie GmbH-Geschäftsführer Heinz-Ulrich Rüther betont, unterstütze die Kita GmbH grundsätzlich den Wiedereinstieg von Müttern – auch in Führungspositionen. „Wir wollen den Beruf der Erzieherinnen so sicher und so attraktiv wie möglich gestalten.“ Rüther glaubt: „Die Barriere bei der Vereinbarkeit von Job und Familie ist nicht die Machbarkeit, sondern steckt in den Köpfen.“ Viele hätten Sorge vor der „vermeintlichen Nicht-Verfügbarkeit“ eines Entscheiders. Führung in Teilzeit sei „eine Vertrauensfrage“, solange der Vorgesetzte durchweg erreichbar ist, gebe es keine Probleme. Außerdem habe man mit Teilzeitangeboten einen Wettbewerbsvorteil im Kampf um die besten Leute, sagt Rüther und verweist auf den drohenden Fachkräftemangel, der wie in anderen Branchen auch bei den Erzieherinnen verzeichnet wird. Derzeit gehören der GmbH 29 Einrichtungen im Kreis Soest und in Hamm an. Mehrere der Leiterinnen haben Kinder, die jünger sind als zehn Jahre.
Um ihr Pensum zu schaffen, hat Sandra Kramer-Hunold ihren Arbeitstag straff durchstrukturiert. Ihr Tag in der Kita beginnt um 8 Uhr und endet mal um 13 Uhr oder 14 Uhr, spätestens aber um 16 Uhr – wenn nichts dazwischen kommt. Dank ihres sozialen Netzwerks – die Großeltern sind gerne für die mittlerweile 7- und 3-jährigen Enkel da – kann sie im Notfall auch mal kurzfristig einspringen. Akzeptanzprobleme in ihrem Team, sagt sie, gebe es daher keine. „Die sehen, dass ich flexibel reagieren kann.“
Sandra Kramer-Hunold nimmt ihre Jüngste, die dreijährige Tochter Maya, morgens mit in die „eigene“ Kita. Aus Elternsicht bewertet sie den Josefskindergarten als familienfreundlich. „Wir haben von 7 bis 16.30 Uhr geöffnet, lediglich am Freitagnachmittag haben wir geschlossen, um den Kindern eine Auszeit zu geben.“ Diese Zeiten reichten für viele berufstätige Mütter aus, sagt die Kita-Leiterin.







