Aktuelle Ausgabe
2012-20

Wie die Herz-Jesu-Gemeinde in Halle den Kauf eines neuen Transporters aus eigener Kraft stemmte

Neuem Kirchbulli fehlt noch ein Rad

Halle. Allzeit bereit schnurrte er 18 Jahre lang quer durch die Kirchengemeinde Herz Jesu in Halle, brachte sonntags ältere und gehbehinderte Gläubige zum Gottesdienst, fungierte als fahrbarer Untersatz für Freizeiten von Gemeinde-Gruppen und erwies sich auch zu sonstigen kirch-li-chen und karitativen Anlässen stets als „treue Kutsche“. 190 000 Kilometer später ver-abschiedete sich der Haller Kirchbulli dann im Frühjahr dieses Jahres mit einem lauten Heulen. Nichts ging mehr. Weder vor, noch zurück. 

von Stefan Niggenaber 

Mit der endgültigen Dienstverweigerung des blauen Transporters kam daraufhin leider auch die eine oder andere Aktivität in der Kirchengemeinde Herz Jesu zum Erliegen. Für Hans Georg Schütte, Christian Jäkel und Franz Zie-sché, allesamt engagierte Gemeindemitglieder, kein haltbarer Zustand. Deshalb gründete das ostwestfälische Trio kurzerhand die Initiative „Kirchbulli Halle“ – und legte damit den Grundstein für eine echte Erfolgsstory.

In den vergangenen Monaten dieses Jahres habe man für das gemeinnützige Projekt ordentlich die Werbetrommel gerührt – sowohl in der Presse als auch im Internet sowie bei nahezu jedem Gemeindefest oder sonstigen Anlässen – und dabei zahlreiche Spenden aufgetrieben. Die Bereitschaft der Bürger und Gemeindemitglieder sei schon beachtlich gewesen, resümiert Franz Ziesché: „Im Mai hatten wir erst 4 000 Euro beisammen, jetzt sind es schon über 16 000.“ Und exakt 3 663,42 Euro fehlen noch, dann habe man das Unmögliche eben doch irgendwie möglich gemacht – und den neuen, etwa 20 000 Euro teuren Mercedes Vito schon endgültig bezahlt. Und dieser ist, obwohl ein Rad des neuen Bullis sinnbildlich noch dem Händler gehört, auch schon in Herz Jesu eingerollt. Und soll künftig, wie auch sein verschrotteter Vorgänger, viele Fahrten in der Kirchengemeinde verrichten. 

Sonntagmorgens sei der Kirchbulli quasi im Dauereinsatz. Gemeinsam fahre man dann mit sieben Helfern ältere und gehbehinderte Menschen zum Gottesdienst. Auch zu Seniorentreffpunkten würden Hilfsbedürftige mit dem Achtsitzer kostenlos kutschiert, die Betriebskosten würden von der katholischen Kirchengemeinde aufgebracht. Hans Georg Schütte: „Das Fahrzeug trägt somit dazu bei, dass auch diese Menschen am Leben in unserer Kirchengemeinde teilhaben können.“

Herzlich bedanken möchte sich das Trio bei allen Spendern. Ein Großteil wolle anonym bleiben, erklären die Organisatoren der Initiative. Und das solle auch so bleiben. Doch obwohl die Freude derzeit bei Weitem überwiegt, zeichnen sich bei den Verantwortlichen letzte kleinere Sorgenfalten ab. Den Bulli bis Weihnachten restlos abzubezahlen, das sei schon ein ehrgeiziges Ziel, dessen ist man sich in Herz Jesu durchaus bewusst. Auch und vor allem vor dem Hintergrund, dass die Spendenbereitschaft langsam aber sicher abklinge. Die Tatsache, dass der neue Bulli bereits da und im Einsatz sei, habe offenbar den Zweck zur Notwendigkeit ein wenig in den Hintergrund gerückt. Doch ein „dicker Batzen“ fehle noch. Deshalb bittet das Haller Trio alle Spender, kurz vor dem Zieleinlauf noch einmal einen leidenschaftlichen Endspurt hinzulegen. 

Gespendet werden kann auf die Konten 689 190 bei der Kreissparkasse Halle, Bankleitzahl 480 515 80 sowie auf das Haller Volksbank-Konto 160 809 300, Bankleitzahl 480 620 51. Über den jeweils aktuellen Stand der Kirchbulli-Aktion informiert die Internetseite der Initiative unter www.kirchbulli-halle.de


24.05.2012
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