Aktuelle Ausgabe
2012-20

Mindener Dom bekommt nach 64 Jahren seinen Vierungsturm zurück

Neuer Turm für „Keimzelle der Stadt“

Regierungsbaudirektor Hartmut Meierjohann von der Bezirksregierung Detmold, Heinz-Dieter Böttger, Vorsitzender des Bauausschusses der Stadt Minden, Dompropst Roland Falkenhahn und Rendant Stephan Kurze (v. l.) blicken zum Dach des Doms. Kirchenvorstandsvize Rudolf Bilstein zeigt, wo der Turm hinkommt.

Minden. Nach 64 Jahren erhält der Mindener Dom seinen Vierungsturm samt fünfstimmigem Geläut zurück. Das teilte der Kirchenvorstand der Domgemeinde nun auf einer Pressekonferenz mit. Durch Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg zerstört, wurde der Dom 1957 ohne Vierungsturm wiederaufgebaut. Nun soll dieses „Herzensanliegen“, so Propst Roland Falkenhahn in Angriff genommen werden. Die Vollendung des Tums ist bereits für das kommende Jahr ge­plant.

von Christoph Niekamp

Schon unter seinen drei Vorgängern habe es Bemühungen und Bestrebungen, aber durchaus auch Kontroversen zum Turmneubau gegeben, berichtete Falkenhan. Nun ist es endlich so weit, noch in diesem Jahr sollen die Ausschreibung und Planung des Projekts abgeschlossen sein.
Nach einer Bauzeit von etwa einem halben Jahr ist die Wiedererrichtung des Turmes für 2010 gepant. Dabei wird die Stahlrahmenkonstruktion mit einer Kupferdeckung ummantelt und auf dem Domhof zusammengebaut. Anschließend soll ein Kran den Turm an seinen Platz über der Domvierung, also dem Bereich, wo sich Längshaus und Querhaus des Kirchengebäudes treffen, hieven. Genau wie der schon vorhandene Westwerkturm wird auch der neue Vierungsturm insgesamt 96 Meter hoch aufragen.
Eine achteckige Stahlbetonplatte mit einem Durchmesser von sieben Metern schließt den Turm unterhalb des Hauptfirstes ab. Sie dient zum Brandschutz des gesamten Domes. Außerdem erhält der Turm fünf Glocken, die wie das Geläut im Westwerk in der Eifel gegossen werden sollen.
Finanziert wird die Wiedererrichtung vom Land Nord­rhein-Westfalen, ein Überbleibsel der Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts. Zu dem kirchlichen Vermögen, das sich der Staat damals aneignete, gehörten landesweit 130 Kirchen und Pfarrhäuser, von denen sich allein 60 in Ostwestfalen-Lippe befinden. So auch der Mindener Dom.
Regierungsbaudirektor Hartmut Meierjohann aus Detmold rechnet mit Baukosten von maximal 800000 Euro. Das sei die Obergrenze, sagte er. Die Mindener Domgemeinde arbeite jedoch „maßvoll von allen Seiten“. Die ersten Vorentwürfe wurden schon im April 2006 vorgestellt. Doch erst jetzt, nach zahlreichen Gutachten von Theologen, Architekten, Ingenieuren, Glockensachverständigen, Kunsthistorikern und Denkmalpflege, ist der Wiederaufbau beschlossene Sache.
Sowohl das Erzbischöfliche Generalvikariat in Paderborn als auch die Stadt Minden genehmigten das Projekt. Heinz-Dieter Böttger, Vorsitzender des städtischen Bauausschusses bezeichnet den Dom als eine „Keimzelle der Stadt“. Durch den wiedererrichteten Vierungsturm werde die Stadtsilhouette Mindens in Zukunft neu geprägt.


24.05.2012
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