Gedanken zum Evangelium
Nichts geht über deine Kraft – ich bin bei dir!
Die Gedanken von Schwester Laetitia Eberle zur ersten Lesung führen zu der festen Gewissheit, dass uns die Gebote Gottes nicht überfordern, wenn wir sie in unserem Herzen verwurzeln.
von Sr. Laetitia Eberle
„Oh, wie so trügerisch sind Frauenherzen“, singt der Herzog im letzten Akt von Verdis Oper Rigoletto. Seltsam, ausgerechnet er, der als leichtfertiger Verführer dargestellt wird, beklagt die Flatterhaftigkeit der Frauen. Und auf solche Herzen, auf unsere Herzen setzt Gott?!
In unseren Herzen gibt es viel Wahres und Lauteres, aber auch manchen Irrtum. Aber haben wir nicht jeden Tag reichlich Gelegenheit, ein bisschen besser und weniger trügerisch zu werden? Für Gott ist die Lösung ganz einfach: Du sollst auf meine Stimme hören und auf meine Gebote achten. Deinetwegen sollst du immer wieder zu mir zurückkehren, dich täglich neu an mir orientieren, indem du in dein Innerstes einkehrst. Dort wirst du hören, was ich dir ins Herz lege: Nichts geht über deine Kraft – ich bin bei dir! Ein anspruchsvoller, aber sehr persönlicher Weg, den Gott uns vorlegt. Ein Weg, der uns manche Mühe und Disziplin abverlangt – auch dann, wenn es klüger ist, manch zwischenmenschliche Provokation zu überhören.
Wie der Weg aussehen kann, hat Gott uns in Jesus Christus aufgezeigt. An uns liegt es nun, unser Reden und Schweigen, unser Tun und Lassen von ihm prägen zu lassen. Gesetze und Ordnungen stehen dem nicht zuwider. Sie sind zunächst starr und werden erst dann nützlich, wenn sie durch unser Herz hindurch Anwendung finden. Jeder Mensch ist anders, jede Situation ist neu und jede Fragestellung braucht deshalb eine ganz individuelle Antwort. Genau deshalb gilt es, in unser Inneres einzukehren und zu lauschen. Erst der zweite Schritt ist das eigene, quasi gefilterte Reden, das sich deutlich von bloß aneinander gereihten Buchstaben unterscheidet.
Was sind das für Worte? Es sind Worte, die Leben schaffen und Gutes bewirken im Menschen, der sie empfängt. Worte, die segnen und Leben entfalten im Menschen, der sie hört. Worte, die einen Weg in die Zukunft eröffnen, die Kraft und Hoffnung schenken. Worte, die Unklares in ein klares Licht rücken. Worte, die wahr, zuverlässig und vertrauenswürdig sind. Worte, die ermuntern, sich mit sich selbst, mit seiner Umgebung und nicht zuletzt mit Gott zu versöhnen und sich Versöhnung schenken zu lassen. Worte der Ewigkeit, die von Gott her kommen, dem Ursprung allen Lebens. Sie sind nicht belanglos, sondern tiefgründig. Sind auch meine Worte so motiviert?
Solche Worte können wir nur sprechen, wenn wir dem Wort Gottes Glauben schenken: „Das Wort ist ganz nah bei dir, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen, du kannst es halten.“ Sein Wort ist wie ein Same, der in unsere Herzen gelegt ist: Der Keim wächst, seine Früchte sind schön anzusehen, sie sind nahr- und schmackhaft und schaffen wiederum neues Leben.
Frauen- (und Männer-)herzen können trügerisch und verführerisch sein – gewiss, aber das hindert Gott nicht daran, auf unsere Herzen zu setzen. Er weiß, dass unsere Ohren zunächst nur Töne und Geräusche hören, dass sie nicht imstande sind, aus dem Gehörten Erkenntnisse zu entwickeln – dazu braucht es ein „hörendes“ Herz. Gottes Wort hat die Kraft, uns von mancherlei Zwängen zu befreien. Gott nimmt uns in die Pflicht der Mitwirkung. Die Weisung zum nächsten Schritt, der Mut und die Kraft, ihn zu unternehmen, liegen nicht im Himmel und nicht jenseits des Meeres, wie es in der ersten Lesung heißt. Wir selbst können und müssen die Initiative ergreifen – in der Gewissheit, dass nichts über unsere Kraft geht.







