Aktuelle Ausgabe
2012-20

Katholische Kirche diskutiert Missbrauchsfälle und die Folgen

„Nichts verschweigen“

Dortmund (pdp). Am Ende lobte Dr. Wolfram Kiwit die Podiumsdiskussion im Katholischen Centrum als ein „Gespräch in einem offenen Klima“. Der Chefredakteur der Ruhr Nachrichten moderierte die Veranstaltung „Kirche im Kreuzfeuer – Zwischen Schuld und Neubeginn“. Thema waren die Fälle von sexuellem Missbrauch im Bereich der katholischen Kirche und deren Folgen. 

Die Kirche befinde sich in einer großen Krise, erklärte Propst Andreas Coersmeier in seiner Begrüßung der rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Katholischen Centrum.  Es müsse zunächst um Hilfen für die Opfer gehen, aber auch darum, wie sexuellem Missbrauch künftig wirksam vorgebeugt werden könne und wie sich verlorenes Vertrauen wieder aufbauen ließe.

Über diese und weitere Fragen sprachen Pater Siegfried Modenbach vom Katholischen Forum, Ursula Nutt-Pohl vom Kinderschutzzentrum, der Sexualmediziner und Sexualtherapeut Dr. Hans Dudda und Prälat Dr. Peter Klasvogt, Direktor der Kommende Dortmund, Sozialinstitut des Erzbistums Paderborn. Engagiert beteiligte sich auch das Publikum an der Diskussion.

„Es ist wichtig, dass klar gesagt wird, es sind Fehler gemacht worden und wir sind in der Vergangenheit mit dem Thema falsch umgegangen“, antwortete Pater Siegfried Modenbach auf die Frage eines Zuhörers nach Konsequenzen aus den Missbrauchsfällen. Die Überarbeitung der Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz zum Umgang mit Fällen von sexuellem Missbrauch sei ein erster Schritt. „Wir müssen wahrnehmen und nicht schweigen und übergehen“, ergänzte Dr. Peter Klasvogt.

Sexueller Missbrauch sei kein rein katholisches Problem, stellte Pater Modenbach klar, aber die katholische Kirche müsse sich jetzt dem stellen, was in ihren eigenen Reihen an Problemen offenbar werde. „Was die Kirche jetzt dringend braucht ist Selbstkritik und Selbsterkenntnis“, so Modenbach. Dazu gehöre für ihn auch eine offene Auseinandersetzung mit allgemeinen Fragen von Lebensformen und Sexualmoral, auch wenn diese nicht unmittelbar mit der Missbrauchsproblematik im Zusammenhang stehen würden. Dafür sprachen sich auch mehrere Teilnehmer im Publikum aus.

Ursula Nutt-Pohl wünschte sich von der Kirche mehr Unterstützung für Institutionen, die Opfern von sexuellem Missbrauch Hilfe leisten. Sexuelle Gewalt sei in etwa der Hälfte der Beratungen ein Thema im Kinderschutzzentrum. Vorbeugend sei es wichtig, Kinder in ihrem Selbstbewusstsein und ihrer Körperwahrnehmung zu stärken. Dieses Ziel habe beispielsweise das Bühnenstück „Mein Körper gehört mir“.

Dr. Hans Dudda betonte: „Sexuelle Gewalt bedeutet lebenslanges Leiden und ist in der Therapie nur sehr schwer aufzuarbeiten.“ Statistisch sei etwa jedes vierte Kind von sexueller Gewalt betroffen. Dagegen müsse insgesamt mehr unternommen werden.

 

Podiumsdiskussion „Kirche im Kreuzfeuer“ im Katholischen Centrum (v. l.): Pater Siegfried Modenbach, Dr. Wolfram Kiwit, Ursula Nutt-Pohl, Propst Andreas Coersmeier, Dr. Hans Dudda  und Prälat Dr. Peter Klasvogt. Foto: pdp

24.05.2012
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