Aktuelle Ausgabe
2012-20

Gedanken zum Evangelium

Nie ohne Gottes Schutz

Monika Porrmann, Zum Vogelhof 10, 34414 Warburg-Scherfede

Auch wenn er nicht mehr da ist, seine Jünger sollen nicht ohne Beistand bleiben. Darum beten Jesus zu seinem Vater, wie Monika Porrmann herausstellt, Referentin an der Kath. Landvolkshochschule Hardehausen.

von Monika Porrmann
   
Donnerstag war Christi Himmelfahrt. Unmittelbar vor dieser erfolgte damals die Beauftragung und Sendung der Jünger: Geht hinaus! Wenn ihr euch auf mich verlasst, werdet ihr in meinem Namen Zeichen setzen, die Welt verändern. Nächsten Sonntag feiern wir Pfingsten: die Aussendung des Geistes, des Trösters, Beistandes und der Kraft Gottes in allen Lebensphasen.
Dies Evangelium passt genau in die Zwischenzeit zwischen Himmelfahrt und Geistsendung. Es stammt aus der Abschiedsrede Jesu. In vielen Bildern verdeutlicht Johannes, dass durch Jesus Gott erfahrbar wird; denn der ist beides: Gott und Mensch. Diese zentrale Glaubensaussage, dass uns im Menschen Jesus Gott begegnet, ist uns seit Kindertagen bekannt. Sie ist trotzdem mit unserer Logik nicht wirklich zu begreifen. Der Evangelientext kann uns da helfen, denn in diesem hohepriesterlichen Gebet Jesu, in seiner innigen Hinwendung an Gott, wird etwas von beiden Naturen Jesu deutlich.
Da ist zum einen die Selbstverständlichkeit, mit der er in immer neuen Worten davon spricht, dass er und der Vater eins sind, dass er immer im Auftrag, im Namen Gottes gehandelt hat. In ihm wird Gott erkennbar, ist Gott real erfahrbar. Zugleich zeigt er sich aber auch äußerst menschlich, um uns Menschen besorgt.
Jesu Mission in der Welt geht dem Ende entgegen. Sein Leiden und Sterben stehen bevor. In dieser Situation macht sich Jesus Sorgen um seine Jünger und wendet er sich an den Vater im Himmel. Solange Jesus bei den Menschen war, konnte er sie selbst behüten, ihnen seine „Freude in Fülle“ geben. Weil er um die Unsicherheit seiner Jünger und damit aller Menschen weiß, bittet er nun Gott um seinen Beistand. Gottesnähe, Erfahrung Gottes, glaubendes Vertrauen ist nämlich nichts selbstverständliches, sondern Geschenk Gottes, das der Mensch glaubend, vertrauend annehmen kann. Jesus handelt da eindeutig als Mittler, als Fürsprecher und als Hirte. Er beschwört Gott gleichsam, so wie Menschen immer wieder Gott anflehen. Seine Sorge findet betende Worte. Dem Menschen Jesu fällt es offenkundig so schwer wie uns loszulassen. Es ist immer schwer, Anvertraute nicht mehr bewahren zu können, sondern in die Selbstständigkeit zu entlassen. Welch menschlicher Wesenszug!
Jesus bittet den Vater für seine Freunde, dass sie stark sein mögen, auf die göttliche Botschaft weiterhin vertrauen – auch wenn die Welt sie dafür hasst. In dieser Welt sollen sie bleiben und wirken, Jesu Weg weiter gehen, alle Tage, bis ans Ende der Zeit. Sie – und damit auch wir Christen heute – sollen Zeugnis dafür ablegen, dass Gott in der Welt ist. Und Jesus bittet den Vater darum, dass sie dabei keinen Schaden nehmen, sich von der Welt nicht verführen lassen, sondern dem Evangelium als Lebensorientierung trauen. Er greift damit die zentrale „Vater-unser-Bitte“ auf:  dass Gott seine Gesandten vor dem Bösen bewahre – damit sie heilig, heil, ganz, authentisch werden. Denn Heilige sind keine „perfekten“ Menschen aus sich heraus, sondern Menschen, durch die Gottes Wirken in der Welt besonders erkennbar wird, weil sie sich Gottes Willen öffnen.
Jesu Jünger befinden sich im „Zwischenzustand“ zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Aber die Erinnerung an Jesu Sorge um seine Freunde füllt dieses Vakuum: Gott war ihnen immer nah, denn sie vertrauten seiner Zusage. Und wir? Wie ist das, wenn wir manchmal ein ähnliches Vakuum erleben, den Geist Gottes nicht spüren? Wenn wir gegen das Böse der Welt Gottes Liebe umsetzen, werden auch wir geheilt, heilig. Der Schutz Gott ist uns zugesagt.


24.05.2012
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