Aktuelle Ausgabe
2012-20

Paderborner Verein „Sterntaler“ hilft den Familien schwerkranker Kinder

Not versteckt sich

Spende für schwerkranke Kinder (v. l.): Dr. Richard Böger und Jürgen Reineke (Bank für Kirche und Caritas), Wilhelm Stute (Sterntaler), Thomas Dahm (Ratiodata) und Antonius Wiedeking (Sterntaler).Foto: Götte

Paderborn. Das schwer erkrankte Kind benötigt einen Spezialkrankenfahrstuhl, ein behindertengerechtes Fahrzeug mit einer Lifteinrichtung oder einen Spezialcomputer– doch die Eltern haben dafür kein Geld. Wenn dann auch noch Kostenträger wie Krankenkassen oder Sozialämter keine finanzielle Hilfe leisten, wird es eng. In solchen Fällen springt der Paderborner Verein „Sterntaler – Hilfe für schwerkranke Kinder“ ein.

von Andreas Götte

„So manches Kind hätte noch länger leben können“, ist Hildegard Stute überzeugt. Bei einem Gespräch mit dem Chefarzt der St.-Vincenz-Kinderklinik, Dr. Klaus Kauther, vor über neun Jahren sagte sie: „Wir müssen etwas tun.“ Damals wurde der Verein „Sterntaler“ gegründet. Das dazu nötige Geld stammte aus den Erlösen einer Tombola des Paderborner „Lions Club“ anlässlich des Liborifestes.
Mittlerweile hat der 23 Mitglieder zählende Verein mit rund einer halben Million Euro an Spenden schwerkranke Kinder von etwa 300 bis 400 Familien aus dem Hochstift Paderborn finanziell unterstützt. Viele von ihnen haben eine Migrationsgeschichte. Häufig sind es alleinerziehende Frauen, die ihre schwer kranken Kinder durchbringen müssen.
„Wir sind chronisch pleite“, freut sich der Vorsitzende von Sterntaler, Wilhelm Stute. Das sei nicht immer so gewesen. Denn in der Anfangszeit habe der Verein Probleme gehabt, dass Geld unterzubringen. „Die Leute waren zurückhaltend, Not versteckt sich“, sagt Stute.
Bevor Geld fließt, müssen die betroffenen Familien einen Fragebogen ausfüllen, damit die Behinderung und die Bedürftigkeit überprüft werden kann. Der medizinische Beirat besteht aus Kinderklinik-Chefarzt Dr. Klaus Kauther, der Ärztin für Kinder und Jugendliche, Dr. Irmgard Gockel, und der Oberin der St.-Vincenz-Kinderklinik, Schwester Mediatrix Altefrohne. Das Geld soll schließlich genau dort ankommen, wo die Not am größten ist.
Üblicherweise stammen auch die Spender aus dem Hochstift. Mit dem IT-Dienstleister Ratiodata überreichte jetzt ein Unternehmen aus Münster einen Scheck in Höhe von 5 000 Euro. Die Bank für Kirche und Caritas aus Paderborn ist dort Kunde. Sterntaler wiederum hat bei der Bank für Kirche und Caritas ein Spendenkonto. „Bei Sterntaler ist das Geld gut angelegt, weil die Organisation klein ist und es keinen Verwaltungsapparat gibt“, sagte Ratiodata-Geschäftsführer Thomas Dahm bei der Scheckübergabe im Paderborner Hotel Aspethera. Mit dem Geld wurden Geschenkgutscheine an Familien verteilt.
So manches Leid sehen die Sterntaler-Mitglieder bei ihren Kontakten mit den Betroffenen. Dennoch gibt es immer wieder auch schöne und lustige Momente. Hildegard Stute erinnert sich: „Ein Junge, der an der Glasknochenkrankheit litt und im Rollstuhl saß, wollte unbedingt nach München ins Fußballstadion, weil er auch selbst Fußball spielt.“ Die verblüfften Anwesenden fragten sich, wie ein Rollstuhlfahrer Fußball spielen könne. „Wenn ich mit meinem Rollstuhl im Tor stehe, kommt niemand vorbei“, antwortete der Elfjährige.


24.05.2012
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