Aktuelle Ausgabe
2012-20

Jugendliche des Dekanats Hellweg feierten Gottesdienst im Bestattungsinstitut

„Nur zu Besuch“ bei Särgen und Urnen

Singen zwischen Särgen: Beim Gottesdienst im Bestattungsinstitut wurden Berührungsängste abgebaut. Foto: Lankowski

Werl. Wenn ein Jugendlicher ein Bestattungsinstitut betritt, dann ist der Besuch meist mit Trauer verbunden. Ein Ort, der eigentlich gemieden wird, zu dem einem nichts hinzieht. Anders ist das allerdings, wenn man „Nur zu Besuch ist“. Das war nun am Fest Allerseelen der Fall. Die Fachkonferenz Jugend im Dekanat Hellweg hatte zu einem Jugendgottesdienst in das Werler Bestattungsinstitut Langschmidt eingeladen.

von Dirk Lankowski

„Der Raum ist erfüllt von der Unsicherheit, die wir mitbringen, von den Grenzen, an die wir mit unseren Gefühlen stoßen“,  nahm Pastor Tobias Dirksmeier zur Eröffnung der Jugendmesse  gleich Bezug auf die Gefühle der versammelten Jugendlichen. Für den Gottesdienst wählte der Pastor das Evangelium vom Emmausgang, bei dem die Jünger Jesus Christus auf ihrem Weg nach Emmaus nicht erkennen (Lukas 24, 13-29). „Wir kreisen immer nur um uns selbst, stellen nach dem Tod die Warum-Frage, und werden nie an ein Ende kommen“, verwies Dirksmeier in seiner Predigt auf das Denken vieler Menschen.
„Doch der Weg, den man zusammen gegangen ist, geht ja weiter“, erklärte er dann. So sei es auch mit der Verkündigung des Glaubens gewesen. „Es ist die Frage des Wohin“, sagte der Seelsorger. Die Verstorbenen wie auch Jesus  – „Jesus bleibt in der Eucharistie“ – seien für den Menschen gegenwärtig. Das habe auch schon Augustinus Aurelius so dargestellt: „Die Toten sind nicht abwesend, sondern nur unsichtbar. Sie schauen mit ihren Augen voller Licht in unsere Augen voller Trauer.“
Spürbar ergriffen von den Worten des Pastors zeigten sich die über 30 Jugendlichen. Sie waren eingeladen, zusammen mit einer kleinen weißen Blüte, ihre Gebetsanliegen für eine Person aus ihrem Freundes- und Familienkreis vor den Altar zu bringen. Dieses sollte dann von allen in ihr Gebet eingeschlossen werden. Viele der Jungen und Mädchen baten für kürzlich Verstorbene, Freunde, die einen Todesfall verkraften mussten, aber auch schwerkranke Familienmitglieder. „Wir kennen nur die Gemeinschaft der Lebenden – in unserem Glauben gibt es keine Toten“, brachte Dirksmeier den Jugendlichen die christliche Botschaft näher. Zwischen Urnen und Särgen, aufgeklebten Todesanzeigen und Blumen, der Kühlkammer und dem Besprechungszimmer feierten die Jugendlichen gemeinsam die Eucharistie – für viele ein ganz neuer Eindruck von Gottesdienstgemeinde, der bleibenden Eindruck hinterließ.
Der Gottesdienst am Allerseelentag gehörte zur „Reihe der besonderen Sonntagsgottesdienste“, die speziell für Jugendliche im Dekanat Hellweg stattfinden. Sie werden von der Fachkonferenz Jugend gestaltet. „Wir wollen Gottesdienste an besonderen Orten zur besonderen Zeiten anbieten“, schildert Jugendreferentin Doris Noll ihre Intention. Allerseelen habe gut gepasst, um das Thema „Tod und Trauer“ in den Vordergrund zu stellen. Denn dies sei schließlich  „eine Frage, die uns alle beschäftigt“. Dabei wurde der Titel angelehnt an das Lied „Nur zu Besuch“ von den Toten Hosen. Deren Frontmann Campino gilt als Vorbild als katholischer Gläubiger für viele Jugendliche.
Dekanatsjugendseelsorger Stephan Mockenhaupt sagte, dass die Gottesdienstreihe ein „zusätzliches Angebot“ für Jugendliche sei. „Das sind Themen, die Jugendliche ansprechen“, glaubt Mockenhaupt. Die Fachkonferenz mit Doris Noll, Tobias Dirksmeier, Stephan Mockenhaupt, Heike Frankenberg und Markus Ende hat bereits weitere Gottesdienste in Planung. So soll ein Gottesdienst im Mercedes-Autohaus in Hamm stattfinden mit dem Thema „Folge deinem Stern“.


24.05.2012
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