Dritter Neujahrsempfang der Kirchen in Hagen
Ökumene – mehr als ein Wort
Hagen. Zum dritten Mal fand in Hagen ein ökumenischer Neujahrsempfang statt. Nachdem in den vergangenen beiden Jahren die Gottesdienste in der Marienkirche und der Johanniskirche am Markt abgehalten wurden, fand der ökumenische Gottesdienst jetzt in der Baptisten-Gemeinde-Kirche am Widey statt.
von Ingrid Piela
Beim anschließenden Empfang im Sparkassen-Karree sprach Bundestagspräsident Norbert Lammert zum Thema: „Migration und Integration – Zum Beitrag von Religion und Kultur.“ Dechant Dieter Osthues dankte zuvor in seiner Begrüßung Pastor Stephan Hofmann von der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde ausdrücklich für dessen „exzellente Predigt“: „Dieser Gottesdienst war sehr beeindruckend.“ Die rund 300 Gäste unterstrichen dies mit ihrem Applaus.
Die Ökumene in Hagen-Witten sei nicht nur ein Wort, so der Dechant, sondern auch Tat. Sie stelle das Gemeinsame und Verbindende heraus. Es wolle Mut machen, neu aufzubrechen in ökumenischer Verbundenheit. Für sein offenes Wort erntete Osthues stürmischen Applaus. In Bezug auf die Zusammenarbeit mit dem evangelischen Superintendenten Bernd Becker sprach der Dechant: „Wir beide sind ein Tandem.“ Zu Professor Lammert gewandt, freute sich Osthues ganz besonders, dass dieser seiner Einladung nach Hagen gefolgt sei. „Die Menschen in Deutschland schätzen Ihre Geradlinigkeit, auch wenn es um Solidarität und um Minderheiten geht.“
Der Bundestagspräsident würdigte zunächst, dass durch das neue Museum die Stadt Hagen nicht nur an Attraktivität gewonnen habe, sondern auch an Substanz. Bei der Debatte über Zuwanderung, Mi-gration und Integration handele es sich um ein dauerhaftes Thema, einen Prozess. Die Debatte darüber habe über Jahre hinweg mutlos, sogar lustlos stattgefunden, meist unter sorgfältigem Vermeiden von Festlegungen. Der Dialog zwischen Kultur und Religion habe zwei wesentliche Voraussetzungen: Zunächst einen eigenen Standpunkt. Außerdem dürften andere Überzeugungen nicht nur zur Kenntnis genommen werden, sondern sie müssten auch ernst genommen werden und man müsse sich damit auch auseinandersetzen. Im Folgenden thematisierte Lammert Chancen, Risiken und Herausforderungen, die mit Migrationsprozessen verbunden seien. „Wir müssen uns um die Wurzeln kümmern, wenn wir ein Interesse an der Stabilität haben“, so Lammert. Diese Aufgabe werde noch an Bedeutung gewinnen. Deutschland sei ein Einwanderungsland, auch wenn es sich selbst nicht dafür halte.
Der Evangelische Kirchenkreis Hagen und das Katholische Dekanat Hagen-Witten hatten ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter der Kirchengemeinden, von Caritas und Diakonie sowie Gäste aus Politik und Stadtverwaltung, Wirtschaft und Kultur eingeladen. Die Veranstaltung stand unter dem Thema der Jahreslosung 2011: Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten (Römer 12,21). „Fünfzig Prozent der Jugendlichen in Hagen haben Migrationshintergrund“, so Oberbürgermeister Jörg Dehm in seinem Grußwort.
Im Anschluss an den Vortrag von Professor Norbert Lammert wurde das Thema beim Imbiss in kleinen Runden weiter diskutiert.
Den musikalischen Rahmen bot die Hagener Klezmerband „Lis Neres“ mit Manuel Nitschke am Kontrabass, Markus Kaiser an der Konzertgitarre und Benjamin Ruschke mit der Klarinette. Das Trio spielte traditionelle jüdische Volksmusik wie „Bei Mir Bist Du Schoen“ und „Hava Nagila“.Veranstaltet wurde der Neujahrsempfang im Sparkassen-Karrree auch in diesem Jahr wieder von der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen und Gemeinden in Hagen und Umgebung (ACK).







