Aktuelle Ausgabe
2012-20

Pilgerweg in Dortmund verbindet Konfessionen

Ökumenische Freundschaften

Auf halber Strecke hatten die kfd-Frauen von der Heilig-Geist-Gemeinde Wellinghofen für die Pilger Kartoffelsuppe gekocht.

Dortmund. „Pilgern ist für mich mit den Füßen beten“, definiert  eine 70-jährige Nonne das, was in den letzten Jahren wieder stark in Mode gekommen ist. Sie selbst hat vor zwei Jahren fast sieben Wochen lang auf dem „Camino frances“ von Saint Jean Pied de Port bis nach Santiago de Compostella über 840 Kilometer ihre Füße mit Gott sprechen lassen. Und keinen Meter bereut …

von Horst-Dieter Czembor

Längst nicht so weit war die historische Pilgerstrecke von der Dortmunder Innenstadt bis nach Hohensyburg, die am vergangenen Samstag fast 100 Pilger Schritt für Schritt unter die Füße nahmen. Und zwar ökumenisch, denn sowohl katholische als auch evangelische Kirchengemeinden hatten das Ganze organisiert.

Genau 15 Kilometer waren es von der Marienkirche in der Dortmunder Innenstadt über Hörde, wo die Luther-Kirche mit einem geistigen und körperlichem Imbiss auf die Pilger wartete, und Wellinghofen bis nach St. Peter zu Syburg, wo die Pilgerschar mit einem Schlussgebet den gemeinsamen Tag abschloss.

Begonnen hatte er mit einer ökumenischen Einstimmung und einem Morgenlob in der Dortmunder City. Dann setzte sich der Pilgerzug langsam in südlicher Richtung in Bewegung. Immer den gelben Muscheln auf blauem Grund nach, denn der St.-Peter-Pilgerweg ist mit dem neu gezeichneten Jakobsweg von Osnabrück nach Wuppertal-Beyenburg und weiter nach Köln auf dem Dortmunder Stadtgebiet nahezu identisch.

Dem Anführer der munteren Pilgerschar waren diese Zeichen mehr als vertraut: Dr. Andreas Burger hatte innerhalb von 10 Jahren etappenweise den Weg von Syburg bis zum Grab des Jakobus in
Spanien unter die Füße genommen, rund 2500 Kilometer.

In der Heilig-Geist-Gemeinde in Wellinghofen wurde die Pilgerschar nicht nur mit vollem Glockengeläut empfangen und mit schmackhafter Kartoffelsuppe und Wasser pilgergerecht bewirtet: Hier gab es auch den Wellinghofer Jakobpilgerstempel und einen spirituellen Impuls. So gestärkt ging es weiter duch den Niederhofener Wald über den  Höchsten nach Syburg.

Auf diesem Teilstück erfuhren die Pilger viel von der Geschichte des Weges: Schlimmes ereignete sich 1297, als während einer Pilgerwallfahrt nach St. Peter in Dortmund Feuer ausbrach, das fast die ganze Stadt vernichtete. Denn nahezu alle wehrfähigen Männer befanden sich auf dem Pilgerweg nach Syburg, sodass die Stadt fast vollständig abbrannte.

Zu jener Zeit strömten die Pilger so zahlreich nach Syburg, dass die Kirche zu klein war und auch der Friedhof für die große Menge als Andachtstätte nicht ausreichte. Deswegen wurde eine Außenkanzel errichtet, deren Spuren heute noch erkennbar sind.

Am Samstag waren es zwar nicht so viele Pilger, aber die Stimmung unter ihnen war prächtig: Es wurden bei intensiven Gesprächen neue Freundschaften über die Konfessionen hinaus geknüpft, denn das Pilgern ist heute ein Stück gelebte Ökumene …


24.05.2012
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