Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Ob Kirche noch gefragt ist?

In dieser Woche findet die Bischofskonferenz in Hamburg statt. Neben vielen anderen Themen wollen sich die Bischöfe dabei schwerpunktmäßig mit den Auswirkungen der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise beschäftigen.


Christian Schlichter (45) ist Chefredakteur des DOM

Die diesjährige Bischofskonferenz wird unter besonderem Blick der Öffentlichkeit stehen. Nicht nur, weil die Bistumshirten in Hamburg, der völlig unkirchlichen Medienstadt tagen. Und nicht nur, weil es auch um Papst und Piusbrüder gehen wird. Sondern auch, weil ein großes Thema ansteht, das Aussagen erfordert.
Die Bischöfe haben es sich selbst gestellt. In einem Studienhalbtag wollen sie die Finanzkrise überdenken, wollen sich informieren und sehen, was die Kirche zu sagen hat und was sie sagen sollte. Denn der Verweis auf noch so huldvolle christliche Sozialethik allein reicht nicht mehr. Er verkümmert angesichts der Methoden der Wirtschaft, die sich seit Jahren darum nicht mehr die Bohne schert.
Ob die Kirche also noch etwas zu sagen hat, das nicht nur intern bedeutsam ist, sondern in einer weltweiten Krise national auch helfen kann, das wird darüber entscheiden, welchen Wert der Kirche und ihren Bischöfen künftig in der Gesellschaft noch beigemessen wird. Die Finanzkrise mit den diffusen Ängsten und bereits ganz konkreten Sorgen der Menschen wird Prüfstein sein: Gelingt es den Bischöfen, eine gute Erklärung abzugeben und deutlich zu machen, dass der Glaube auch die wirkliche Kompetenz für Wirtschaftsthemen beinhaltet, bleiben sie gefragt. Gelingt ihnen das nicht, dürfte der Weg in die weitere mediale Rückstufung nur noch schneller vonstatten gehen.


24.05.2012
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