Aktuelle Ausgabe
2012-20

Dr. Michael Bredeck sieht in Pastoral der Berufung große Chancen

Ohne Angst in die Zukunft

Domvikar Dr. Michael Bredeck im Gemeinsamen Kirchenzentrum in Meschede: „Wir müssen das Gleichnis vom Sämann lernen!“. 

Meschede. Die Zahlen, die Dr. Michael Bredeck nennt, sind ernüchternd, für manchen vielleicht sogar schockierend. Immer weniger  Menschen kommen zum Gottesdienst, die Zahl der Taufen sinkt ebenso wie die der Trauungen. Und doch hält der Geschäftsführer der Lenkungsgruppe zur „Perspektive 2014“ im Erzbistum Paderborn nichts von Schwarzmalerei. Im Gegenteil: „Die Zukunft muss uns keine Angst machen“, betont Bredeck bei einer Diskussionsveranstaltung des Kath. Bildungswerkes im Dekanat Hochsauerland-Mitte. 

von Matthias Nückel 

Berufung, so erläutert der Domvikar, sei eine Kategorie, die jedem Menschen gelte. Man könne dies auch mit „Beziehung“ übersetzen. Und Christen haben durch die Taufe eine besondere Beziehung zu Gott. Ausgehend von dieser Grundlage gehe es darum, die Kirche umzugestalten.

Denn die Zeit der Gremien geht in der Kirche – und nicht nur dort, sondern auch in Parteien, Gewerkschaften und anderen Gruppierungen – zu Ende.

„Darin müssen wir aber nicht das Ende der Kirche sehen, sondern einen neuen Aufbruch“, macht Bredeck den Zuhörerinnen und Zuhörern Mut. Er ist zugleich überzeugt: „Dazu gibt es keine Alternative.“

Es werde in Zukunft zwar nicht mehr flächendeckend Kirchengemeinden geben, aber doch überall Orte, an denen Kirche erfahren wird. Als Beispiele dafür nennt Bredeck etwa die Konzentration auf Kindertageseinrichtungen, Schulen und Krankenhäuser und er betont: „Es ist wichtig, dass wir hier Geld investieren.“ Zugleich räumt er mit der Illusion auf, dass man Glauben „machen“ könne. „Wir müssen das Gleichnis vom Sämann lernen“, betont der Domvikar. „Wir säen, aber das Ergebnis werden wir wahrscheinlich nicht mehr erleben.“

Natürlich weiß auch Bredeck, dass es um die neuen Pastoralen Räume Diskussionen und sogar Widerstände dagegen gibt. Er selbst wundere sich jedoch, dass diese Prozesse für viele so schmerzlich seien. Denn: „Unter uns Christen müsste es doch schön sein, sich zu sammeln und Kräfte zu bündeln.“ Die entscheidende Frage sei letztlich: „Finden wir es schön, heute Christen zu sein oder träumen wir von vergangenen Zeiten?“

Die heutige Situation der Kirche haben nach Bredecks Worten viele früh vorausgesehen. So schrieb Joseph Ratzinger schon 1970 (!): „Aus der Krise von heute wird auch dieses Mal eine Kirche von morgen hervorgehen, die viel verloren hat. Sie wird klein werden, weithin ganz von vorne anfangen müssen. … Sie wird als kleine Gemeinschaft sehr viel stärker die Initiative ihrer einzelnen Glieder beanspruchen.“ Auch die Konzilsväter hätten die Entwicklung vor 50 Jahren zumindest geahnt.

Die Umschichtung der Kirche, ist er überzeugt, werde Jahrzehnte dauern. Für die Zukunft ist nach Bredeck wichtig: „In dem Maße, in dem wir in unserem Kernbereich lernen, über Gott zu reden und zu beten, in dem Maße werden wir auch nach außen strahlen!“


24.05.2012
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