KAB-Bezirkstag beschäftigte sich mit dem Thema Pflege
Ohne höhere Beiträge geht es nicht
Menden. Die jetzige gesetzliche Pflegeversicherung ist nicht zukunftsfähig und ihre Reformierung wird nur mit einem höheren Eigenbeitrag der Versicherten einhergehen können. Darin waren sich die Referenten einig, die auf Einladung des Bezirksvorstandes der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung Hagen-Iserlohn-Menden-Witten (KAB) mit den rund 70 Delegierten in Menden-Bösperde zum Tagesmotto: „Menschenwürdige Pflege solidarisch absichern“ diskutierten.
Den Einstieg in die komplexe Thematik machte Elke Wette, ehemalige Pflegefachkraft eines Heimes in Fröndenberg. Nach ihrem Eintritt in die Ruhephase der Altersteilzeit sei sie froh, den täglichen gestiegenen Anforderungen und Belastungen nicht mehr ausgesetzt zu sein, auch wenn ihr der Beruf viel Freude bereitet habe. Altenpflege stelle hohe Ansprüche an psychologische und physische Kompetenzen, führte sie weiter aus und verwies darauf, dass die zunehmende Zahl an Demenzerkrankten die Pflege ebenso erschwere wie der unzureichende Stellenschlüssel, der sich durch den Wegfall des Zivildienstes zusätzlich negativ bemerkbar mache. Zudem beklagte sie den enorm hohen Zeitanteil für Verwaltung und Dokumentation: „Das Pflegepersonal hat sich für den Dienst am Menschen entschieden und nicht für Schreibtischarbeit!“ Für die Zukunft sei eine grundlegende Pflegereform notwendig, die die individuell abgestimmte Pflege auf die jeweiligen Bedürfnisse eines Menschen in den Mittelpunkt rückt.
Für Lucia Schneiders-Adams, Referentin im Grundsatzreferat der KAB Deutschlands, ist die Weiterentwicklung der Pflege eine der größten Herausforderungen für die Zukunft. Nach neuesten Daten in Deutschland betrage die Quote der Pflegebedürftigen bis 60 Jahre 0,8 Prozent. Bei den 60- bis 80-Jährigen liege sie bei 8 Prozent bevor sie bei den über 80-Jährigen auf 39 Prozent ansteige. Mehr als Zweidrittel aller Pflegebedürftigen wird zu Hause versorgt. Rund 80 Prozent der Pflegenden sind Frauen. Sie kritisierte, dass die Kapitalgeber die Pflegekriterien bestimmten und dabei Pflegende und zu Pflegende nicht einbezogen werden. Der immer stärkere Drang nach Rendite auf dem Pflegemarkt habe zu geringe Bezahlung, Burn-out und häufigen Stellenwechsel zur Folge, was sich bei der Pflege der Menschen nachteilig auswirke. Sie forderte, dass geburtenstarke Jahrgänge mehr Solidarität und verstärktes Engagement zeigen müssten.
Der SPD-Landtagsabgeordnete Michael Scheffler rechnet für das Jahr 2050 mit 4,4 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland. Mit der jetzigen Pflegeversicherung sei die Pflege nur bis zum Jahr 2015 finanzierbar, prophezeite er. Scheffler forderte eine leistungsgerechtere Bezahlung für Pflegekräfte, die stärkere Förderung von neuen Wohn- und Lebensformen sowie die Einrichtung unterstützender Dienste, „damit eine 80-Jährige keinen Oberschenkelhalsbruch riskiert, wenn sie eine Glühbirne einschrauben will“. Zudem müsse der Pflegeberuf für Männer attraktiver gemacht werden. Die KAB forderte er auf, ihre Vorstellungen von der Pflege der Zukunft in der Öffentlichkeit offensiver zu vertreten.






