Aktuelle Ausgabe
2012-20

Osterpredigt von Erzbischof Hans-Josef Becker im Hohen Dom

Osterglaube gegen Endzeitstimmung

Zu Beginn der Osternachtfeier im Hohen Dom entzündet Erzbischof Hans-Josef Becker die Osterkerze am frisch entzündeten Osterfeuer.Foto: Vieler

Paderborn (pdp). Die Bedeutung österlicher Glaubensgewissheit angesichts von „skeptischem Realismus“ und Resignation hat Erzbischof Hans-Josef Becker in den Mittelpunkt seiner diesjährigen Osterpredigt gestellt. „Gräber stehen oft am Ende dessen, was Menschen anfangen“, sagte er im Pontifikalamt am Ostersonntag im Hohen Dom. „Aber das Grab steht definitiv nicht am Ende dessen, was Gott mit den Menschen anfängt!“

Christen seien heute in einer ähnlichen Lage wie die Frauen, die sich nach dem Tod Jesu am Kreuz auf den Weg zu seinem Grab gemacht hätten: Sie seien mit dem Gefühl unterwegs, „dass etwas zu Ende geht, was doch niemals zu Ende gehen dürfte“, so der Erzbischof. Viele repräsentative Umfragen legten derzeit die Annahme nahe, dass die Überlieferungsgeschichte des christlichen Glaubens zu Ende gehe. Es werde heute der Eindruck vermittelt, dass Friedrich Nietzsche im 19. Jahrhundert „den Tod Gottes durch die Hand der gottlos gewordenen Menschheit“ richtig propagiert habe.
Erzbischof Becker stellte fest, es sei heute generell unmodern geworden, „von etwas anderem zu reden als davon, dass es zu Ende geht mit allem“. Gegen diese Endzeitstimmung stehe der Osterglaube mit seiner Gewissheit, „dass es mit Jesus nicht zu Ende gegangen ist– obwohl die Menschen mit ihm Schluss gemacht haben“. Im Ostergeschehen stehe Gott selbst dafür ein, dass es mit dem Entscheidenden weitergehe: mit der Geschichte, „die er mit uns angefangen hat und die er nicht in den Gräbern, in der Leblosigkeit bloßer Materie enden lassen wird“.
Der Paderborner Erzbischof sagte, die Ostergewissheit sei allein deshalb schon bedeutsam, weil sie in der Lage sei, vom Bann der Angst zu erlösen: „Nicht so, als sei damit alle Angst weggewischt“, aber doch so, dass die Angst heilsam verunsichert und das „Grab der Resignation“ aufgesprengt werde. Österliche Kraft zeige sich dort, „wo Christen einander und anderen beistehen in ihren Nöten und in ihrer Einsamkeit, sie zeigt sich dort, wo Menschen einander im Glauben stärken“. Auch dort, wo Menschen „nicht nur mit dem Mund und auf dem Papier Partei ergreifen gegen die Totengräber der Menschenrechte“, sei etwas von der österlichen Kraft zu spüren.
Das Ostergeschehen fordere Christen auf, nicht auf jenem „Friedhof“ zu bleiben, den man manchmal noch „christliches Abendland“ nenne, so Erzbischof Becker zum Abschluss seiner Predigt. Vielmehr seien sie aufgerufen, dem Auferstandenen ins Ungewohnte zu folgen: „Wohin der Auferstandene uns führt, darauf dürfen wir als einzelne und als Kirche gespannt sein.“
Am Vorabend hatte Erzbischof Becker mit zahlreichen Gläubigen im Paderborner Dom die Osternacht gefeiert. In seiner Predigt bezeichnete er die Auferstehung Christi als unvergleichlich neues Ereignis. „Wo immer das Machbare an seine Grenzen stößt, erinnert die Osternacht an die Möglichkeit der Unmöglichkeit“, sagte er. „Wo immer uns nur Kleinmut oder Gleichgültigkeit übrig zu bleiben scheinen, verkündet diese Nacht: Gott ist der treue Gott!“


24.05.2012
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