„Nachhaltig erfolgreich“: 5. Unternehmertag von Kommende und Bank für Kirche und Caritas
Personen statt Funktionen sehen

- Viel Prominenz aus Kirche, Wirtschaft und Verwaltung war zum Unternehmertag gekommen: Arnsbergs Regierungspräsident Dr. Gerd Bollermann, Erzbischof Hans-Josef Becker, Dr. Matthias Schreiber (Kirchenreferent in der Staatskanzlei), Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau, Handwerkspräsident Otto Kentzler, Jürgen Reineke (Bank für Kirche und Caritas) und Kommendedirektor Prälat Dr. Peter Klasvogt. Foto: Nückel
Dortmund. Über 220 Teilnehmer waren zum 5. Unternehmertag gekommen, den das Sozialinstitut Kommende zusammen mit der Bank für Kirche und Caritas ausrichtete. Unter dem Thema: „Nachhaltig erfolgreich“ wurde über ethische Unternehmensführung diskutiert.
von Matthias Nückel
„Gute Führung ist eine Lebensaufgabe und Lebenshingabe – und zwar nicht Hingabe an Quartalszahlen und Steigerungsraten, sondern an die an einem Unternehmen beteiligten Personen und Akteure: Mitarbeitende und Kunden, Lieferanten und Aktionäre“, betonte der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker in seiner Rede vor den Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung.
Der Erzbischof leitete seine Verhaltensregeln, die auch für Führungskräfte in der Wirtschaft relevant sein könnten, aus der Hirtenrede Jesu im Johannesevangelium (Kap. 10) ab. Wichtiger als Sachkenntnisse, die man erlernen könne, seien demnach Menschenkenntnisse, ein echtes Interesse am anderen. Dies sei eine Frage der Lebenseinstellung und des Verhaltens. „Es gibt einen Überschuss der Person vor der Funktion. Das bedeutet, die Sekretärin, den Hausmeister, den Geschäftspartner nicht nur in ihrer jeweiligenFunktion wahrzunehmen und deren Arbeitsleistung abzugreifen, sondern die Person dahinter sehen, mit ihrer Dienstbereitschaft, ihren Qualitäten, auch mit ihren Grenzen“, meinte Becker unter Bezug auf Jesu Wort: „Ich bin der gute Hirt. Ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich.“
Die Seinen zu kennen, meine vor allem einen ernstzunehmenden und wertschätzenden Umgang mit allen Mitarbeitern. Wer dagegen sein Unternehmen mit Misstrauen und Kontrolle regiere, erzeuge letztlich ein Klima der Angst, dass in die innere Immigration führe, so der Erzbischof.
Unter der Überschrift: „Er geht ihnen voraus und sie folgen ihm“ (Joh. 10,4) befasste sich Becker mit der Vorbildfunktion von Führungskräften. Wenn Hoffnungsträger entlarvt und ihre moralische Autorität infrage gestellt werden, sei die Enttäuschung groß. Authenzität sei gefragt. Denn jede Enttäuschung führe dazu, „dass man eigentlich keinem mehr traut und daran zweifelt, dass die Welt den Ehrlichen und Aufrechten gehört“.
Der für Ministerpräsidentin Hannelore Kraft eingesprungene Vertreter der Landesregierung verband ethisches Handeln mit einer klaren politischen Zielsetzung. Für Dialog und Mitbestimmung auf Augenhöhe setzte sich Staatssekretär Franz-Josef Lersch-Mense ein. Der Chef der NRW-Staatskanzlei meinte, gerade hochqualifizierte Arbeitnehmer müssten in Entscheidungsabläufe im Unternehmen eingebunden werden. Die Landesregierung wolle deshalb NRW zum „Mitbestimmungsland Nr. 1“ machen.
Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau rief die Unternehmer auf, Entscheidungen zu treffen, die nachhaltig sind für die Menschen, die Unternehmen und die Umwelt. „Entscheidungen dürfen sich nicht nur am Dax ausrichten.“
Um ethisches Handeln in Unternehmen zu würdigen, stellten die Kommende und die Bank für Kirche und Caritas den Unternehmerpreis 2012 vor. Mit diesem soll ein Unternehmen ausgezeichnet werden, „das in vorbildlicher Weise unternehmerisches Handeln mit ethischer Verantwortung verbindet“. (Siehe Infokasten.) Denn, so hatte es Kommendedirektor Prälat Dr. Peter Klasvogt bei seiner Begrüßung betont: „Das Wohl und Wehe unseres Gemeinwesens und letztlich auch der Unternehmen hängt von einer gemeinsamen Wertebasis ab.“






