Erzbischof Becker verurteilt Missbrauch, warnt aber vor Generalverdacht gegen Geistliche
Priestern den Rücken gestärkt

- 330 Priester waren in den Dom gekommen, um ihr Weiheversprechen zu erneuern.
Paderborn. Überschattet von den Missbrauchsfällen, die „Leid den Opfern“ und „Schande über die Kirche“ gebracht haben, so Weihbischof Hubert Berenbrinker, war der Priestertag zu Beginn der Karwoche. Erzbischof Hans-Josef Becker fand die richtigen Worte: Er verurteilte den Missbrauch scharf, nahm aber zugleich die Priester gegen Generalverdächtigungen in Schutz.
von Matthias Nückel
Selten habe er das Gewicht der Verantwortung so gespürt wie in diesen Wochen, sagte der Erzbischof zu Beginn der Chrisammesse. Einige Priester hätten das „Evangelium auf grausamste Weise entstellt“. Ohne jede Einschränkung sei zu verurteilen, was Einzelne getan hätten, betonte Becker und fügte hinzu: „Unentschuldbar“ sei es auch, wenn Missbrauch vertuscht worden sei.
Nach dieser eindeutigen Klarstellung machte der Erzbischof vor seinen Priestern und den Gläubigen aber auch deutlich, dass er nicht bereit ist, Unterstellungen, Häme und Hass widerspruchslos hinzunehmen. Er erfahre zunehmend, dass Priester angefeindet würden. Geistliche seien einem Rechtfertigungsdruck ausgesetzt. „Das setzt mir zu.“
Bei aller Erschütterung über jedes einzelne Vergehen habe er jedoch keinen Grund, am aufrichtigen und ehrlichen Dienst der Priester zu zweifeln. „Ich weiß um gravierendes Fehlverhalten einzelner Mitbrüder, kann es aber nicht zulassen, dass Priester und Seelsorger verallgemeinert als Risikogruppen behandelt werden“, betonte Erzbischof Becker.
Er würdigte die Arbeit des Beauftragten des Erzbistums für Missbrauchsfälle, der qualifiziert arbeite, was auch von Opfern anerkannt werde. Und: „Die offene und kon-struktive Zusammenarbeit mit den Ermittlungsbehörden bedarf keiner besonderen Erwähnung.“ – Im Erzbistum Paderborn ist dies eben eine Selbstverständlichkeit, wie in den vergangenen Wochen zu sehen war. – Für die Zukunft setzt der Erzbischof auf eine sachliche und faire Aufarbeitung, auch in der Kirche.
Begonnen hatte der Priestertag, zu dem 330 Geistliche nach Paderborn gekommen waren, mit einer Betstunde und einem geistlichen Impuls in der Marktkirche. Pater Dr. Hans Schaller SJ griff mit dem Thema „Iss, sonst ist der Weg zu weit für dich“ die Geschichte des Propheten Elias auf. „Wir wissen, wie der Glaube weniger wird, verdunkelt. Die Kirche ist dabei, an geistiger Vitalität und Strahlungskraft zu verlieren“, so der Spiritual am Priesterseminar in Chur (Schweiz).
Er machte den Priestern jedoch Mut, an dieser Situation nicht zu verzweifeln. „Was uns versprochen ist, sind nicht die großen Reserven; es ist das tägliche Brot“, lenkte Schaller den Blick auf die kleinen mühsamen Schritte: „Im Kleinen liegt oft Kostbares verborgen.“ In sehr bildreicher Sprache mahnte Schaller, nicht nur die großen Erfolge zu erwarten: „Wir haben Ideale von Kuchen und riskieren, bei Brot zu verhungern.“
Der Jesuit betonte, dass besonders auch Priester Kraft für ihre Aufgabe brauchen, denn „aus dem Mund eines Ermüdeten kommen selten erlösende Worte“. Deshalb müsse man rechtzeitig Vorsorge treffen, um der Ermüdung vorzubeugen.
Im Blick auf den Hohen Donnerstag, an dem Jesus die Eucharistie eingesetzt hat, sagte Schaller, die Eucharistie sei die einzig heilende Stärkung für die, die in einer Notlage seien.
In seiner Predigt bei der Chrisammesse, während der die heiligen Öle geweiht wurden, rief auch Erzbischof Becker die Priester auf: „Nehmen Sie sich Zeit für die Eucharistiefeier – trotz oder gerade wegen der Belastungen.“ Das pastorale Tun sei auf die Eucharistie hin gerichtet.
Der Erzbischof mahnte die Priester, „Männer des Gebets“ zu sein: „Beten Sie für die Menschen! Besonders auch für die, denen Sie auf andere Weise nicht mehr helfen können.“ Und er ludt die Priester, die während des Gottesdienstes ihr Weiheversprechen erneuerten, ein, das Stundengebet zu pflegen.






