Aktuelle Ausgabe
2012-20

Priesterfortbildung zwischen negativem Stimmungsbild und Anforderungen / Dialog beginnen

Rückendeckung für neue Rezepte

Eine volle Tagesordnung erwartete rund 400 Priester bei ihrem Frühjahrstreffen. Der Bistumsleitung (im Hintergrund Generalvikar Hardt und Msgr. Dornseifer) war dabei klar, dass es nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch in der Arbeit der Priester vor Ort Veränderungen geben müsse.Foto: Schlichter

Paderborn. Die Offenheit der Arbeitsgruppen war für das Verhältnis zwischen Mitarbeitern und ihrem Chef ungewohnt. Und auch die Deutlichkeit, mit der rund 400 Priester in der vergangenen Woche ihre Sorgen, aber auch Wünsche, an den Erzbischof formulierten, hatten ihre eigene Qualität. Als Tag der Erkenntnisse aus zwei Jahren Priesterfortbildung, aber auch als Tag des gemeinsamen Dialoges in die Zukunft, gestaltete sich das große Treffen im Paderborner Aspethera.

von Christian Schlichter

Mehr als 650 Teilnehmer in 19 Kursen. Das waren 95 Prozent der Priester im Bistum, die in den vergangenen zwei Jahren am außerordentlichen Zyklus der Priesterfortbildung teilgenommen hatten (der DOM berichtete, zuletzt im Thema Ausgabe 50/08). Nach den jeweiligen Kursen, die bunt gemischt und nicht nach Weihekursen stattgefunden hatten, gab es eine ausführliche Auswertung. Allein 7000 einzelne Karten hatten die Teilnehmer dazu beschrieben, mit den 160 Protokollen aus den Gesprächskreisen hatte das einen großen Berg an Material ergeben. „Ich bin schwer beeindruckt und reich beschenkt durch die 19 Kurse“, wusste diese Faktensammlung Professor Dr. Christoph Jacobs zu bewerten. Er hatte gemeinsam mit Domvikar Dr. Michael Bredeck die Wortmeldungen zusammengefasst und präsentierte sie als Ergebnis beim Priestertreffen.
Der Priester als Brückenbauer im Zerreißfeld des Umbruchs. Das war der Titel der ausführlichen Präsentation, die Bredeck und Jacobs erstellt hatten. Darin kennzeichneten sie das überaus negative Stimmungsbild der Priesterschaft ebenso, wie die enorm gestiegenen Anforderungen. Auf mehreren Schaubildern zeigten sie dabei die vielfältigen Ansprüche und stellten dem entgegen Rezepte und Maßnahmen, mit denen einzelne Priester darauf reagierten. Ihr Fazit: Zwischen Strukturen und Inhalten, zwischen Aufträgen und Zielen, zwischen Mangel und Situation fühlten sich viele aufgerieben.
Die Forderung des Presbyteriums an ihren „Chef“ waren deshalb auch deckungsgleich. Einen intensiven Dialog wünschten sich die Priester mit der Bistumsleitung. Zudem sollten Prioritäten und Nachrangigkeiten festgelegt werden. Mit der nötigen Rückendeckung und Wertschätzung ihres Oberhirten ausgestattet, wollten sie den Prozess der Brückenbauer angehen. Allerdings nicht ohne „Mut, Vision und Vertrauen“. Der Bischof dürfe keine Angst vor Präzedenzfällen haben und seiner Priesterschaft den Raum geben, „das Weglassen auszuprobieren“. Zudem wünschten sich die Priester, dass der Erzbischof die künftigen Prioritäten, also das, was noch leistbar sei, auch nach außen den Gemeinden deutlich mache. Ansonsten drohten die Priester vor Ort als Brückenköpfe verheizt zu werden, statt als Brückenbauer mitgestalten zu können.


24.05.2012
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