Aktuelle Ausgabe
2012-20

Caritasverband Arnsberg-Sundern zieht Bilanz eines zwei Jahre dauernden Projekts

Ruhestand mit Behinderungen

Frank Demming und Stefanie Bierwagen (l.) stellten den Abschlussbericht des Caritas-Projektes vor, mit dem behinderte Beschäftigte auf ihren Ruhestand vorbereitet werden sollen. Foto: Kolossa

Arnsberg. „Wenn ich in den Ruhestand gehe, weiß ich gar nicht so richtig, was ich tun soll“, blickte Christoph Schlüter (64) in eine ungewisse Zukunft. So wie diesem Beschäftigten in der Caritas-Werkstatt Arnsberg geht es vielen älteren, die in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung arbeiten: Hier haben sie einen strukturierten Tagesablauf und ein soziales Netzwerk – und was kommt nach dem letzten Arbeitstag?

von Julius Kolossa

620 Beschäftigte sind in den Caritas-Werkstätten für Menschen mit Behinderung beschäftigt, davon 402 in Arnsberg, der Rest in Neheim. Bis Ende dieses Jahres werden insgesamt 139 von ihnen über 50 Jahre alt sein. All dies war Anlass, ein zwei Jahre dauerndes Projekt in Auftrag zu geben, mit dessen Bausteinen frühzeitig das Leben selbst gestaltet werden kann. Geleitet wurde es von der Sozialpädagogin Stefanie Bierwagen und von Werkstattleiter Frank Demming. „Die Beschäftigten sollen durch ein Bündel von Veranstaltungen und Angeboten zur Förderung und Erhaltung ihrer Kompetenzen in die Lage versetzt werden, ihr Alter vor und nach Beendigung des Arbeitslebens selbstbestimmt zu gestalten“, erklärten beide bei der Abschlusspräsentation des Projektes. Damit fassten sie die Zielsetzung zusammen, die Prof Dr. Helmut Mair von der Universität Münster in seinem Vortrag formulierte hatte.
In Arnsberg haben etwa 90 Mitarbeiter und 120 Beschäftigte an einem oder mehreren Angeboten teilgenommen. Diese wurden nun vor 75 Gästen im Kapitelsaal der Propsteigemeinde Arnsberg vorgestellt. Dabei ging es um gesunde Ernährung, die Vorbereitung auf den Ruhestand, die Veränderung der Werkstatt zugunsten älter werdender Beschäftigter und den Umgang mit Demenz. Ein Angebot war das Packen eines „Ruhestandskoffers“. Darin konnten die Beschäftigten das packen, was nach ihrem Arbeitsleben ihren Alltag begleiten soll.
„In den vergangenen zwei Jahren bekam das Projekt eine große Bedeutung“, bilanzierte Hans Eickhoff, Geschäftsführer des Caritasverbandes Arnsberg-Sundern. „Die Altersprobleme wurden in den Vordergrund gestellt, und wir haben inzwischen praktikable Ansätze eingeführt.“ So können die Gruppenleiter, weil sie direkt eingebunden waren, besser auf die Bedürfnisse der Beschäftigten eingehen. Elke Schulz, die eine Gruppe in Arnsberg leitet: „Wir haben Fortschritte im Verhalten festgestellt.“ Sie zog ein positives Fazit, auch „weil die Beschäftigten begierig danach waren mitzumachen“. Auf beiden Seiten sei viel gelernt worden.
So sieht es auch Werkstattleiter Frank Demming, der die Aktionen weiterführen wird. Vielleicht geht dabei auch der Wunsch in Erfüllung, der bei der Abschlussbesprechung von Stefanie Bierwagen ausgesprochen wurde: die Einrichtung einer zusätzlichen Arbeitsstelle nur für diesen Bedarf. „Wir werden uns Gedanken über die Finanzierung machen“, schilderte Hans Eickhoff den Stand der Dinge.
Bis dahin setzen weiter die Gruppenleiter in Zusammenarbeit mit den ihnen anvertrauten Menschen das Konzept um. Sicher ist aber, dass anfangs geäußerte Ängste über den bevorstehenden Ruhestand zwar immer noch vorhanden sind, durch die intensive Vorbereitung darauf aber gemildert werden können. Der „Ruhestandskoffer“ jedenfalls, in den Dinge gepackt werden, die nach dem Arbeitsleben den Tagesablauf bestimmen sollen, ist für viele behinderte Beschäftigte ein lieb gewonnener Gegenstand, mit dem eines Tages ihre Träume in Erfüllung gehen können.


24.05.2012
Impressum | Kontakt
4002