Aktuelle Ausgabe
2012-20

Schüler des RAG Bildung-Berufskollegs organisierten ökumenischen Gottesdienst zum „Schachtfest“

Schachtzeichen sind Glaubenszeichen

Schüler des RAB Bildung-Berufskollegs waren an der Vorbereitung des Gottesdienstes mit Pfarrer Christoph Maties (l.) und Pfarrer Ulf Doppelfeld (r.) beteiligt. Foto: Plamper

Weddinghofen. Seinen Glauben in der Öffentlichkeit zu dokumentieren, ist nicht für jeden selbstverständlich. „Gerade junge Menschen tun sich damit oft schwer“, weiß Ullrich Schmidt, Religionslehrer am RAG Bildung-Berufskolleg in Bergkamen-Weddinghofen. Es ist eines der wenigen Kollegs, das Religion als Unterrichtsfach anbietet. „Religionsunterricht ist an berufsbildenden Schulen kein Regelfall“, so der Bereichsleiter. 

von Elisabeth Plamper 

„Der Unterricht ist nie langweilig“, das steht für Marius Kranemann und Benjamin Obsadnik fest. Sie haben sich stellvertretend für ihre Mitschüler verstärkt an der Organisation des ökumenischen Gottesdienstes bei der Bergkamener Abschlussveranstaltung „Schachtfest“ im Rahmen der Aktion „Schachtzeichen“ beteiligt.

Die Schüler sprachen die Seelsorger der katholischen und evangelischen Gemeinden vor Ort an und nahmen mit dem Posaunenchor Bergkamen Kontakt auf.

„Ich bin gern der Einladung gefolgt und freue mich sehr über das Engagement der jungen Leute“, erklärte Pastoralverbundsleiter Ulf Doppelfeld von der katholischen Kirchengemeinde St. Elisabeth. Er übernahm die Einführungsrede und skizzierte, wie eng Bergbau und Kirche in ihrer Geschichte letztendlich mit-einander verbunden sind.

„Das Ruhrgebiet verändert sich. Das merken wir alle seit vielen Jahren.“ Der Seelsorger zitierte den griechischen Philosophen Heraklit: „Panta Rei – alles ist im Fluss, alles ist im Wandel! An manchen Stellen der Bergwerke entstehen herrliche Freizeitseen und Wohnanlagen oder hochmoderne Industriebetriebe.“

Auch an Bergkamen gehe der Wandel nicht spurlos vorüber. Die Kohle habe jahrzehntelang das Leben der Menschen bestimmt, die aus ganz Deutschland und aus halb Europa kamen. „Die Bergleute werden Kumpel genannt – ein zutiefst christliches Wort“, so Doppelfeld. Kumpel leite sich von Kumpan ab. „Darin stecken die lateinischen Worte Com und Panis. Com heißt übersetzt Gemeinschaft, Kommune bis hin zur Kommunion oder Abendmahl. Nach christlichem Verständnis der tiefsten Gemeinschaft der Menschen untereinander und mit Gott.“ Panis bedeute entsprechend Brot. „Der Kumpel ist also ein Mensch, mit dem ich mein Brot und mein Leben teile.“

In der Predigt bezog sich Pfarrer Christoph Maties von der evangelischen Kirche auf die Lesung aus dem ersten Buch Moses, in der Gott mit Noah stellvertretend für die Menschheit einen neuen Bund schließt und den Regenbogen an den Himmel stellt. Er könne sich heute wie die Schachtzeichen-Ballone in Regenbogenfarben als Symbol für die Gemeinschaft der Christen vorstellen, führte Maties aus.

Musikalisch begleitete der Posaunenchor den ökumenischen Gottesdienst, der auf große Resonanz stieß. Zu den Ehrengästen und den Abordnungen der Knappenvereine zählte auch der erst kürzlich in den Ruhestand gegangene Schulleiter des Berufskollegs Gerhard Weitzel.

Dieser hatte während seiner Amtszeit die religiöse Bildung an dem Kolleg immer maßgeblich unterstützt. Gern erinnere er sich an den Gottesdienst zu seiner Verabschiedung, der ebenfalls von Schülern organisiert worden war.

„Im Religionsunterricht wird der Glaube für uns erlebbar“, erklärten die jungen Leute. Besonders interessant für sie sei auch die Auseinandersetzung mit den Gleichnissen in der Bibel, fügte ihr Religionslehrer hinzu. „Wir versuchen diese in die heutige Zeit zu übertragen.“ Das Fazit der Schüler: „Wir bekommen mit, wie Glauben ein Teil unseres Lebens sein kann.“

So sei auch die Idee mit dem ökumenischen Gottesdienst im Rahmen der Schachtzeichen-Aktion entstanden. Zumal das Brauchtum im Bergbau vom christlichen Verständnis tief geprägt sei.

 


24.05.2012
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