Aktuelle Ausgabe
2012-20

„Klöster und Landschaft“ beleuchtet das kulturräumliche Erbe der Orden

Schützenswerte Ressource

Präsentierten das Buch: (v. l.) Dr. Edeltraud Klüting (Geschäftsführerin des Westfälischen Heimatbundes), Lektor Dr. Bernward Kröger, Herausgeber Prof. Dr. Johannes Meier. Foto: Lakenbrink

Herzebrock-Clarholz. Es ist ein schleichender Prozess, den viele Menschen gar nicht wahrnehmen. Waren die Landschaften früher noch von christlichen Symbolen durchsetzt und von klösterlichem Leben geprägt, wurde dieser Raum im Laufe der vergangenen Jahrzehnte mehr und mehr durch Flurbereinigungen und Straßenbau zerstört, so auch in Clarholz. Höchste Zeit, wieder für das Thema zu sensibilisieren, findet Prof. Dr. Johannes Meier und hat daher nun ein Buch mit dem Titel „Klöster und Landschaft“ herausgegeben, das wachrütteln soll.

von Ruth Lakenbrink

Das 144-seitige Buch aus der Schriftenreihe des Westfälischen Heimatbundes bündelt eine Reihe von Fachvorträgen, die auf Einladung der „Freunde der Propstei Clarholz“ vor zwei Jahren das kulturräumliche Erbe der beiden großen Reformorden des 12. Jahrhundert, der Zisterzienser und der Prämonstratenser, beleuchteten. Es beinhaltet fünf Einzelstudien. Drei beschäftigen sich mit den Klös­tern Eberbach im Rheingau, dem ehemaligen Prämonstratenserkloster in Clarholz sowie dem Kloster Loccum, das von Zisterziensern gegründet wurde. Umrahmt werden die Einzelstudien durch zwei übergreifende Vorträge. Der eine behandelt die Klöster der Prämonstratenser und Zisterziener im östlichen Deutschland, der andere die Pflege des landschaftlichen Erbes des Zisterzienserordens als Auftrag an die Bürgergesellschaft.
Um in das Thema einzuführen, zitierte Professor Meier, Theologe und Fachmann in Sachen Kirchengeschichte, der an der Universität Mainz lehrt, bei der Buchpräsentation ein altüberliefertes kirchliches Sprichwort: „Bernadus valles, montes Benedictus amavit, oppida Franciscus, magnas Ignatius urbes.“ Es beschreibt, dass Zisterzienser ihre Klöster bevorzugt in Tälern anlegten, Benediktiner gerne auf Höhen bauten, Franziskaner die Städte suchten und die Jesuiten großstädtische Zentren anstrebten. So hätten die Orden, wenn auch jeder auf seine Weise, die Gestaltung der Erde als Kulturlandschaft als Mitwirkung am göttlichen Schöpfungsauftrag begriffen, erläuterte Meier. „Das von ihnen überlieferte Landschaftsbild birgt eine Sinn-Ressource, die gehütet werden will und der Pflege bedarf, aber großen Gefährdungen ausgesetzt ist, auch im heimischen Fall.“
Auf den heimischen Fall, das ehemalige Prämonstatenserkloster ging der gebürtige Clarholzer genauer ein, beschrieb dessen Entstehung und die im 12. Jahrhundert vollzogene Kultivierung der Landschaft zwischen dem Männerkloster in Clarholz und dem Frauenkloster in Lette zur sogenannten Klosterlandschaft Axtbachaue.
„Clarholz kann sich mit anderen Klosteranlagen durchaus messen. Nur das Bewusstsein des Wertes ist in der Bevölkerung nicht so stark ausgeprägt wie bei anderen“, lautete sein Fazit. Das sieht er auch als einen Grund dafür an, warum diese Klosterlandschaft nun von der Zerstörung bedroht ist. Flurbereinugung, Intensivierung der Landwirtschaft und die Abtrennung Lettes vom Kreis Gütersloh hätten ihr Übriges getan. Sollte die in den 1990er-Jahren geplante neue Umgehungsstraße B64 n noch gebaut werden, die südlich an Clarholz vorbeiführen soll, würde dies einer endgültigen Zerstörung der von den Prämonstratensern geprägten Kulturlandschaft gleichkommen, so Meier.
Johannes Meier (Hrsg): „Klöster und Landschaft“, Münster: Aschendorff Verlag, ISBN 978-3-402-12786-5, kos­tet 19,90 Euro.


24.05.2012
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