In der Störmeder Pankratius-Kirche kann der berühmte Psalm 23 begangen werden
Sechs Verse, sechs Stationen
Störmede. Sanfte Musik dringt durch die St.-Pankratius-Kirche in Störmede. Eine Männerstimme spricht vom Band: „Der Herr ist mein Hirte – mir wird nichts fehlen.“ Im Kirchenschiff und den Seitenkappllen sind Szenen aufgebaut. Ein langer dunkler Tunnel voll Nebel, ein reich gedeckter Tisch oder ein Zelt aus hell leuchtendem orangefarbenen Leinen. In der Störmeder Kirche ist der berühmte Psalm 23 in sechs begehbare Bilder umgesetzt worden.
von Birger Berbüsse
„Ich würde mich sehr freuen, wenn die Menschen durch unser Projekt die Gebete der Psalme wieder für sich entdecken könnten“, sagt Pfarrer Thomas Schmidt. Der 46-Jährige steht in seiner Kirche und betrachtet den Rundgang, der von 25 Frauen des Pastoralverbundes Geseke-Land erdacht und gefertigt wurde. Die Idee dieser bildlichen Umsetzung von Psalm 23 hatte Pfarrer Schmidt zu Beginn dieses Jahres. Gemeinsam mit der ehemaligen Gemeindereferentin habe er eine Aktion starten wollen, „die viele Menschen anspricht und wieder Besinnlichkeit, Einkehr und Ruhe in ihr Leben bringen kann“, erinnert er sich. Inspiriert von einem visualisierten „Vaterunser“ fiel die Wahl schnell darauf, etwas ähnliches in der Pankratius-Kirche zu schaffen. „Wir wollten unbedingt einen Psalm nehmen, weil das in der Bibel die Gebete des Vertrauens, der Hoffnung und der Zuversicht sind“, erklärt der sympathische Seelsorger. Psalm 23 sei es dann aus verschiedenen Gründen geworden, weil er mit seiner Symbolik der bildlichste und gleichzeitig wohl auch der bekannteste der 150 Psalme des Alten Testamentes sei.
Während eines Informationsabends stellte Thomas Schmidt seine Idee den Gemeinden vor. „Dann ging es wie im Schneeballsystem weiter“, erzählt er freudig. Insgesamt waren 25 Frauen aus allen vier Gemeinden des Pastoralverbundes an dem Projekt beteiligt. Worauf ihr Pfarrer Wert legt und stolz ist: „Das hat nicht eine Gemeinde allein geleistet, sondern alle zusammen!“ Der so entstandene Kontakt untereinander habe zum verstärkten Zusammenhalt des Pastoralverbundes beigetragen, glaubt er: „Das ist ein schöner Nebeneffekt.“
Die Frauen teilten sich in sechs Gruppen ein, jede für einen Vers des berühmten Psalms. Auf ihren Treffen erarbeiteten sie Ideen, wie die Symbole und Bilder des jahrtausendealten Textes in Greifbares umgesetzt werden könnten. „Das ist teilweise schon recht schwer gewesen“, weiß Pfarrer Schmidt noch, „da mussten wir ganz schön überlegen.“ Denn wie sollten Sätze wie „Er leitet mich auf rechten Pfaden“ oder „Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde“ in Szenenbilder übersetzt werden? Letztlich wurde aber für alles eine Lösung gefunden und die Aufbauarbeiten in der Kirche konnten beginnen. „Dabei müssen noch lobend die Männer erwähnt werden“, weist Pfarrer Schmidt auf die Helfer im Hintergrund hin, „die haben unter anderem die Bänke rausgeschleppt und den Tunnel zusammengezimmert.“
Die Feinarbeit aber erledigten die 25 engagierten Frauen: Sie bastelten einen Beduinen-Hirten, fertigten mit Liebe zum Detail eine grüne Wiesenlandschaft mit einem kleinen Bach und verwandelten das „Haus des Herrn“ in ein orange-leuchtendes Zelt. Außerdem fanden sie noch Zeit, Psalm-Perlen und Kerzen mit dem Logo der Aktion zu basteln sowie einen Büchertisch vorzubereiten. „Die Arbeitsstunden, die die Frauen, viele von ihnen berufstätig, da hinein gesteckt haben, sind unzählig“, glaubt Schmidt. Aber gelohnt hat es sich, davon ist der freundliche Priester überzeugt: „Wer diesen Psalm beschreitet, der kommt wieder zur Ruhe in unserer hektischen Zeit.“







