Gedanken zum Evangelium
Selfmademan oder Seliger?
Die Seligpreisungen der Bergpredigt zeigen ein alternatives Lebens- und Handlungsmodell auf. Sie ermutigen zu einem überzeugten und überzeugenden Christsein.
von Anita Weins
Manchmal bietet ein Wörterbuch Überraschendes. Als ich nachschaute, was dort zu „selig“ steht, fiel mir das vorhergehende Wort ins Auge „Selfmademan“ – einer der sich aus eigener Kraft hochgearbeitet hat. Eine solche Person sein, vom Tellerwäscher zum Millionär, wer möchte da nicht mitträumen? Und wir sehen, einigen gelingt es. Durchhaltevermögen und Durchsetzungskraft bringen etwas. Wer von sich selbst überzeugt ist und sein Ziel fest vor Augen hat, dem gelingt alles. Ist das so? Zerplatzen nicht viele Träume, obwohl ich an mich glaube, dafür arbeite?
Und dann dieses Evangelium! Im ersten Abschnitt der Bergpredigt stellt Jesus uns ein völlig anderes Lebensmodell vor. Nicht derjenige, der alles selbst macht, ist selig. Nein, vor Gott gelten völlig andere Maßstäbe.
Selig, die arm sind vor Gott: Das geht ja noch, solange ich nicht auch arm in der Gesellschaft bin. Selig sind wir, wenn wir uns nicht rücksichtslos unseren Vorteil suchen, sondern von Gott viel erwarten und unseren Teil dazu beitragen.
Selig die Trauernden: O je. Gesellschaftlich toleriert wird Trauer nur über einen kurzen Zeitraum. Sprüche wie: „Kopf hoch, das wird schon wieder.“ „In ein paar Wochen sieht alles wieder besser aus“ trösten nicht wirklich. Trauernde trösten, so wie sie es brauchen. Eine große Aufgabe, die Gott mit uns verwirklichen will.
Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit: Hunger tut weh, Ungerechtigkeit auch. Da geht es um oft ganz Alltägliches: Geschwister, die sich ungerecht behandelt fühlen; eine Beförderung, bei der ich übergangen wurde, damit kann und muss man leben. Gott hilft.
Selig die Barmherzigen: Da bin ich auf der sicheren Seite, ich spende schließlich regelmäßig für alle möglichen guten Werke. Ist das genug? Geht es nicht auch um meine unmittelbare Umgebung, um Barmherzigkeit im Alltag? Die wird jeden Tag neu von mir gefordert.
Selig, die Frieden stiften: Das geht einfach, wenn ich für den Frieden der Welt bete. Das wird schwierig, wenn es um Frieden um mich herum geht; in der Familie, in der Nachbarschaft, im Freundeskreis. Die Erfahrung lehrt so manchen: Friedensstifter stehen am Ende als die Dummen da.
Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden: Der Gerechte, der Gradlinige, passt der noch in unsere Zeit?
Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet: Verfolgung gibt es bei uns doch nicht! Aber da ist der Kollege am Arbeitsplatz, der mitleidig belächelt wird, weil er zur Kirche geht; da ist der Messdiener, der sich in seiner Klasse Gelächter und Schlimmeres anhören muss. Verfolgung, Verleumdung kann viele Gesichter haben.
Wenn ich mir die Seligpreisungen anschaue, erkenne ich, dass ich eine gute Portion der Eigenschaften brauche, die den Selfmademan auszeichnen. Durchhaltevermögen – das ist im Glauben oft harte Arbeit. Durchsetzungskraft – das Gute tun, braucht Menschen mit Überzeugungskraft. An sich selbst glauben – das heißt doch: Vertrauen auf Gottes Hilfe. Nicht ich mache, sondern er macht mit mir. Ein Ziel haben – als Glaubende haben wir ein Ziel. „Euer Lohn im Himmel wird groß sein“, heißt es im Evangelium.
Ein afrikanisches Sprichwort sagt: „Wenn viele kleine Menschen an vielen kleinen Orten viele kleine Schritte tun, verändert sich die Welt.“ Fangen wir also an! Verwirklichen wir an unserem Platz im Leben einen kleinen Schritt dieser Seligpreisungen und helfen wir so mit, der Liebe Gottes in dieser Welt ein Gesicht zu geben.







