Kinder erkundeten den St.-Patrokli-Dom in Soest mit dem Zollstock
So groß ist unsere Kirche
Soest. Es gehört nicht viel dazu, nur ein bisschen Phantasie und die Fähigkeit, das Umfeld mit Kinderaugen wahrzunehmen. Zu einer ganz besonderen Kirchenführung luden kürzlich im Rahmen der St.-Patrokulus-Wochen Gemeindereferent Detlev Gethmann und die Kirchenführerinnen Dr. Anette Werntze sowie Helga van Acken die Kinder ein. „So schön und groß ist unsere Kirche“, lautete das Motto.
von Elisabeth Plamper
Die Kindergruppe staunte nicht schlecht, als sie mit Zollstock, einem Luftballon an einer Garnrolle und dem Grundriss der Kirche auf einem großen Bogen Papier den Dom erkundeten. Los ging es mit einem Rundgang außen um die Kirche herum. Dr. Anette Werntze erzählte von dem Leben der Menschen, die sich vor über 1 000 Jahren auf dem Gebiet der heutigen Stadt Soest niederließen und das Patroklistift gründeten.
„Damals gab es keine große Kräne und andere Hilfsmittel so wie heute, um eine Kirche zu bauen“, erklärte sie, dicht umringt von den jungen Teilnehmern. Inzwischen hatte der Gemeindereferent auch das große Eingangsportal des Domes aufgeschlossen und die Gruppe ging hinein. Der Bogen mit dem Grundriss des Kirchenschiffs wurde im hinteren Teil der Kirche auf dem Boden ausgebreitet und die Kirchenführerinnen verteilten an die Kinder kleine rote Kärtchen und Stifte.
Die erste Aufgabe lautete, die Länge des Kirchenschiffes zu erschreiten. Konzentriert marschierten die kleinen „Kirchenentdecker“ los und zählten fleißig ihre Schritte. Die Breite wurde auf die gleiche Weise ermittelt. „Ich habe vierzig Schritte gemacht“, berichtete eines der Kinder nicht ganz ohne Stolz und winkte mit seiner roten Karte. Die Anzahl der Schritte wurde in Meter umgerechnet und das Ergebnis auf dem Bogen mit dem Grundriss des Domes eingetragen.
Auch die Säulen werden „vermessen“. Dazu stellten sich alle mit dem Rücken um diese herum, fassten sich an den Händen und bildeten so einen Kreis, dessen Umfang ebenfalls in Meter berechnet wurde. Nun fehlte noch die Höhe. Gemeinsam mit mehreren Kindern band Detlev Gethmann den mitgebrachten gelben Luftballon an das Ende des Fadens auf der Garnrolle. Dann wickelten sie mehr und mehr des dünnen Bandes ab und langsam stieg der Ballon höher und höher bis unter die Decke. Mit dem Zollstock wurde anschließend die Länge des abgerollten Fadens gemessen. „23 Meter“ kamen zusammen. Fasziniert schaute eines der Mädchen noch einmal nach oben. Ehrfürchtig und ganz leise fand die Erkundung des Chorraums statt, und ganz nebenbei erklärte Dr. Anette Werntze die Bedeutung des Altars mit seinen eingemauerten Reliquien.
„Wollen wir auch in die Krypta gehen?“ Langsam folgten ihr die Kindern die steinerne Treppe seitlich des Chorraumes hinunter. Auch dort gibt es einen Altar und einen Tabernakel. Sie beziehen sich in ihrer Symbolik auf die Johannes-Offenbarung und zeigen Bilder des „himmlischen Tempels“ und des „himmlischen Jerusalem“. Der Altar hat die Gestalt eines Kubus. Symbolisch berühren sich Himmel und Erde, dargestellt in goldenen Quadraten auf den Flächen. Anschaulich fasste die Kirchenführerin die Bibelgeschichte über die Wanderung der Israeliten nach Jerusalem für die Kinder zusammen.
Spielerisch erfuhren die Kinder an diesem Tag neben einem Stück Domgeschichte auch vieles über die religiösen und spirituellen Hintergründe des katholischen Glaubens. Zurück in der Kirche fragte Helga van Acken die Kinder noch nach ihrem Alter. „Zehn“, so lautete die häufigste Antwort. „Gut, jetzt stellt euch mal vor, wie viele Kinder zusammen dann 1 000 Jahre sind.“
Das Ergebnis war schnell gefunden und so wurde auch das über 1 000-jährige Bestehen des Domstiftes für die Kinder vorstellbar.







