Dekanat Hagen-Witten auf der Suche nach „Visionen einer neuen Kirche“
Spuren in die Kirche von morgen
Hagen/Witten. Das Dekanat Hagen-Witten setzte jetzt seine Suche nach „Visionen einer neuen Kirche“ fort. In die Akademie Schwerte war als Referentin Frau Dr. Hadwig Müller (62) von missio eingeladen worden. Ihr Thema: „Missionarische Prozesse – Gemeinden im Wandel“.
von Meinolf Steinhofer
Die Theologin und Psychologin berichtete von einem ungewöhnlichen pastoralen Ansatz in der Diözese Poitiers aus Frankreich. „Wenn eine Kirche von einer anderen lernen will, muss sie als erstes Unvergleichbares und Vergleichbares unterscheiden“, eröffnete sie ihren Vortrag. Die Kirche in Frankreich sei im Unterschied zur deutschen kath. Kirche „arm“. „Das Gegenteil von „arm“ sei nicht „reich“, sondern „Angst“, erläuterte sie.
„Armut“ beinhalte allerdings eine große Freiheit. Diese schenke der katholischen Kirche in Frankreich ein hohes Maß an moralischer Autorität. Vergleichbare Haltungen zwischen der französischen Kirche und der Deutsche sind nach ihrer Auffassung die „Sensibilität für die Gesellschaft“ und im Sinne der Freiheit von Angst, die Themen „Vertrauen“ und „Verantwortung“.
„Von den Menschen ausgehen, nicht von den Strukturen“ zitierte die Referentin Gisele Bulteau. Sie ist in der Diözese Poitiers Pastoralbeauftragte. „Die Grenzen der örtlichen Gemeinde werden nach Austausch und Beratung mit den Leuten vor Ort definiert.“ Das kann ein Wohnviertel sein, das können auf dem Land mehrere Dörfer sein. „Pfarreien zusammenzulegen vereint die Konzentration auf einen Punkt, jedoch entzieht man den anderen Orten Kräfte, die sie brauchen, um bestehen zu können. Die Ungleichheit wird größer. Zentralisierung schwächt die Peripherie.
Die zur Mitte gehören, fühlen sich sicherlich wohl. Aber die anderen? Bei dieser Organisationweise ist es wie mit einer ausverkauften Vorstellung: so gewinnt man keinen Christen hinzu. In aller Klarheit: um seinen Glauben zu leben, muss man hinausgehen, umschreibt Albert Rouet, der für dieses Bistum zuständige Bischof, den Ansatz.
Fünf Personen leiten diese Gemeinden. Eine hat eine koordinierende Funktion und unterhält Beziehungen zu den kommunalen Verantwortlichen, eine andere Person ist für die materiellen Belange der Gemeinde zuständig und unterhält Kontakte zum übergeordneten Sektor und zur Diözese. Diese beiden Personen werden gewählt. Voraussetzung ist lediglich, dass sie getauft und gefirmt wurden.
Dann werden drei weitere Personen berufen: eine, die für das Gebet und sich um das geistliche Leben sorgt, eine zweite Person wird die Freude am Evangelium kultivieren und die Verkündigung des Glaubens wachhalten, und die dritte Person wird sich denen nähern, die in Not sind oder in besonderer Weise unter ihrem Leben leiden. Diesem Team wird ein Priester zugeordnet, der die Verantwortung im Pastoralsektor hat und zu den anderen Equipes/Teams Kontakt hält. In einer Eucharistiefeier werden sie eingesetzt und dürfen dann für drei Jahre wirken. Einmal kann die „Amtszeit“ erneuert werden. Dann sind andere dran.
Nach dem Vortrag von Dr. Hadwig Müller wurden die etwa 50 Gäste in Schwerte aufgefordert, die zentralen „Botschaften“ herauszuarbeiten und auf einer Tafel festzuhalten. „Mut zum Experiment“ stand auf einer. „Ängste und Talente entdecken“ auf einer anderen. Eine dritte Gruppe rief die Anwesenden auf: „Trauen wir dem Heiligen Geist etwas zu“. Die Referentin freute sich, wie viele neue Ideen gekommen waren, weil die Teilnehmer an andere Menschen gedacht haben – zum Beispiel an die Ängstlichen, die Zweifelnden, die ans Haus gebundenen. Und sie fragte die Teilnehmer, ob sie die Ergebnisse in die nachfolgende örtliche Pastoralkonferenz einbringen könne. Es wäre ein Schritt weiter – vielleicht – zu einer neuen Kirche.







