Aktuelle Ausgabe
2012-20

Grundschüler aus Holzwickede spielen Heiligen

St. Martin und der arme Mann

Den Mantel teilen will geübt sein: Grundschüler aus Holzwickede proben ihren St.-Martins-Auftritt. Ganz praktisch teilen sie, was sie haben mit Schülern einer brasilianischen Partnerschule.Foto: Plamper

Holzwickede. Gespannt haben sich zehn Viertklässler der katholischen Aloysius-Grundschule im Klassenraum versammelt. In den Händen halten sie große weiße Zettel, das Drehbuch zum diesjährigen St.-Martins-Stück. Ihre Lehrerin und Leiterin der Theater AG Ursula Keul gibt ihnen ein Handzeichen. Die Probe kann beginnen. Rick, Marc, Jana alias Norman, Jenny und Annika gehen nach vorn und stellen sich vor die Tafel.

von Elisabeth Plamper

„Hallo Marc! Lange nicht gesehen! Wie geht’s denn?“ Rick und Marc eilen aufeinander zu und schütteln sich die Hände. Im Stück treffen sie sich in einer Stadt. Es ist der 11. November und der Umzug zu Ehren des Heiligen Martin bahnt sich seinen Weg durch die Straßen. Während Rick diesen für den Auftakt zur Karnevalszeit hält, weiß Marc um die Geschichte des Märtyrers, der mit einem Bettler seinen Mantel teilte. Jana alias Annika tritt vor und erzählt aus dessen Leben.
„Der heilige Martin wurde im Jahr 316 in Sabaria im heutigen Ungarn geboren. Ungarn gehörte damals zum riesigen Römischen Reich. Martins Vater war römischer Berufssoldat. Die Eltern gaben dem Kind den Namen ,Martinus‘, das heißt so viel wie ,Krieger‘. Als Sohn eines Berufssoldaten musste Martin ebenfalls ins Heer eintreten, obwohl er gar nicht wollte. Seine Kameraden mochten ihn sehr. Er war freundlich und hilfsbereit. Mit seinem Kriegssold unterstützte er arme Menschen. Für sich selbst behielt er nur das Nötigste.“ In Pavia/Italien habe er erstmals von Jesus gehört. Mit 18 Jahren sei er dann in Frankreich getauft worden und wurde später zum Bischof von Tours gewählt. Im Jahr 397 ist er gestorben.
Die nächsten Szenen zeigen die wohl bekannteste Geschichte aus dem Leben und Wirken des heiligen Mannes. Zunächst schlüpfen Pia und Klara in die Rolle hartherziger Marktfrauen, die einem Bettler (gespielt von Paulina) die milde Gabe verweigern: „In die Gosse mit dir, wo du hingehörst“, schreien sie ihn an. Später schubsen Soldaten alias Tizian und Simon den „Mittelosen zu Boden. Doch Hilfe durch St. Martin im roten Gewand und einem (Holz)schwert an der Seite alias Wilhelm naht. Dieser hebt den Bettler auf. „Ritsch-ratsch“ zerteilt er seinen Umhang und gibt eine Hälfte ab.
Der Text sitzt schon fast perfekt, aber an den Gesten wird noch kräftig gefeilt. „Das machst du schon ganz gut“, lobt Ursula Keul, „du darfst dich ruhig noch ein wenig weiter vorbeugen.“ Ganz genau beobachtet sie das Spiel ihrer kleinen Truppe und korrigiert sanft Gestik und Mimik, wo es nötig ist. Hin und wieder muss sie auch daran erinnern, dass laut genug gesprochen wird. Eine Schulstunde dauern jeweils die Proben.
Begonnen haben diese bereits nach den Sommerferien. Die Nachwuchsschauspieler melden sich selbst. „Bei der Umsetzung des Stückes dürfen die Kinder ihre Wünsche auch mit einfließen lassen und die Rollen verteilen sie selbst.“
Als Vorlage wählte die AG-Leiterin das Neuhauser Martinsspiel nach Fritz Link. Der Gedanke, Menschen zu helfen, denen es nicht gut geht und zu teilen, steht für die Schüler im Mittelpunkt der Martinsgeschichte.
Diese Idee setzt sich auch in der Weihnachtsaktion der Aloysius-Grundschule für die Partnerschule „Frei Alberto“ in Sao Luis/Brasilien fort. Erstmals werden in diesem Jahr Päckchen in Größe eines Schuhkartons für die Kinder und Schüler zwischen zwei und 14 Jahren gepackt. Teilen mit Kindern, die nicht so viel haben – das Vorbild St. Martins ganz praktisch für heute umgesetzt.


24.05.2012
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