Weihbischof Grothe bei Sozialverbänden im Südsauerland/Siegerland
Stärke für die Schwachen
Olpe. „Mit Ihrer Professionalität sind Sie das soziale Gewissen der Kirche in dieser Region“, lobte Weihbischof Manfred Grothe die Mitglieder des „Kreuztaler Kreises“ bei einem Gespräch im Josef-Gockeln-Haus in Rahrbach. Erwin Vitt, Sprecher des „Kreuztaler Kreises“, betonte, Kirche sei „das Stärkste, was die Schwachen haben“.
Der Kreuztaler Kreis besteht aus katholischen Gewerkschaftlern, Betriebsräten, Priestern und Sozialverbänden im Südsauerland und Siegerland und wird im Wesentlichen getragen von der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB), Kolping und der Christlichen Arbeiter-Jugend (CAJ).
Es gehe vor allem darum, der Arbeitswelt ein menschliches Gesicht zu geben, betonte Vitt im Gespräch mit Grothe. So engagiere man sich mit verschiedenen Veranstaltungen immer wieder gegen Mobbing in Betrieben, für Mindesteinkommen und gegen drohende Altersarmut sowie für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ein Schwerpunkt des Arbeitskreises bilde das Engagement gegen die inflationäre Zunahme von verkaufsoffenen Sonntagen in der Region. Alle Menschen bräuchten den freien Tag. Es könne nicht geduldet werden, dass ein arbeitsfreier Teil der Bevölkerung seine Freizeit genieße auf Kosten eines anderen Teils, der dafür arbeiten müsse, betonte Vitt. Er bat Weihbischof Grothe eindringlich um verstärkte Unterstützung in dieser Angelegenheit, zumal viele Priester vor Ort tatenlos zusähen.
Der Weihbischof äußerte sich anerkennend über die konstruktive Kritik und entgegnete, dass es vor allem darauf ankomme, eine Bewußtseinsveränderung auf Verbraucherseite zu bewirken: „Man stelle sich vor, die Läden sind offen und keiner geht hin“, sagte Grothe. Einig waren sich beide Seiten in der Einschätzung, dass es einen Unterschied geben müsse in der Bewertung von notwendiger sozialer Arbeit an Feiertagen, bei der der Mensch im Mittelpunkt stehe. Wo es hingegen nur um Profit gehe, müssten Christen ihre Stimme mahnend erheben.
Vitt bat den Weihbischof auch um eine Weiterfinanzierung der Betriebsseelsorge-Stelle in Olpe über das kommende Jahr hinaus. Es müsse deutlich werden, dass die Kirche das Stärkste sei, was die Schwachen haben. In diesem Zusammenhang verwies er auf die Tatsache, dass 75 Prozent aller Kirchensteuereinnahmen von Arbeitnehmern aufgebracht werde und die Kirche daher in der Verpflichtung stehe, auch in der Arbeitswelt präsent zu sein. Grothe versprach im Gegenzug, dieses Anliegen bei den Haushaltsberatungen des Erzbistums einzubringen.
Beeindruckt zeigte sich der Weihbischof zuvor bei einem Besuch des von der KAB und der CAJ getragenen Ketteler-Cardijn-Werks sowie des Kolping-Bildungszentrums für berufliche Integration in Olpe. Die für beide Einrichtungen zuständige Bereichsleiterin Katrin Grötschel verwies bei einem Rundgang auf die Bedeutung der Integration von Menschen in die Gesellschaft, die aufgrund von psychischen und sozialen Beeinträchtigungen keine Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt haben. Rund 60 Erwachsene zwischen 18 und 60 Jahren werden mit verschiedenen Förderprogrammen in den Bereichen Holz, Metall, Verwaltung, Einzelhandel und PC-Schulung für eine Beschäftigung auf dem Arbeitsmarkt fit gemacht. Zudem werde dadurch das durch eine lange Arbeitslosigkeit angegriffene Selbstwertgefühl der Betroffenen wieder gestärkt. Das individuell abgestimmte Beratungs- und Qualifizierungsangebot sorge dafür, dass eine überdurchschnittlich hohe Zahl von mehr als 40 Prozent der Betreuten wieder in ein geregeltes Leben zurückfinden. Ausdrücklich bedankte sich Grötschel beim Erzbistum Paderborn für die stetige finanzielle Unterstützung, die zu diesem großen Erfolg beigetragen habe.
Weihbischof Manfred Grothe dankte den Einrichtungsleitungen sowie den Beschäftigten für ihre engagierte Arbeit und brachte die Verbundenheit der Kirche für diese wichtige Tätigkeit zum Ausdruck.Benedikt van Acken







