Unterwegs mit Beratern des Energiesparservice der Caritas Dortmund
Stromfressern auf der Spur
„So, jetzt können Sie jederzeit prüfen, ob das Gerät die richtige Temperatur hat“, sagt Mario Iseppi (48) und platziert ein kleines Thermometer im Kühlschrank. „Acht Grad Celsius reichen. Jedes Grad weniger frisst sechs Prozent mehr Energie“, rechnet der Berater des Energiesparservice der Caritas Dortmund vor. Kunde Guido Z. ist beeindruckt: „Da wäre ich selber nicht drauf gekommen“, gibt er zu: „Ich hatte den Kühlschrank immer auf Stufe vier stehen, aber jetzt habe ich ihn runtergedreht.“
Lampen, Heizung, Elektrogeräte: Energiesparberater Mario Iseppi und Anleiter Mario Marques (43) nehmen in Dortmunder Wohnungen alles kritisch unter die Lupe, was Energie verbraucht. Mit geschultem Auge analysieren die beiden Männer die Verbrauchswerte elektrischer Geräte und das Nutzungsverhalten der Bewohner. Sie zeigen, wie sich schon durch einfache Maßnahmen der Verbrauch senken und so Geld sparen lässt. „Wir wollen die Leute nicht umerziehen“, betont Marques, „unser Job ist es nur, ihnen zu zeigen, wo die Stromfresser sitzen.“
Bei Guido Z. hat die Beratung gefruchtet: 48 Euro überweist er für seine kleine Single-Wohnung im Dortmunder Norden als monatliche Pauschale an den kommunalen Energieversorger. Bis zu zehn Euro weniger, so haben es ihm die beiden Caritas-Berater vorgerechnet, könnten es sein, wenn er die Energiespartipps befolgt. Für den Hartz-IV-Empfänger ist das viel Geld: „Ich hätte nie gedacht, dass sich bei mir noch so viel sparen lässt.“
Oft sind es alte Geräte, die den Verbrauch in die Höhe treiben, manchmal ist es aber auch die Bequemlichkeit der Bewohner. „Früher habe ich schon mal für zwei Hosen die Waschmaschine angestellt“, räumt Guido Z. ein. Seit Mario Iseppi ihm vorgerechnet hat, was ihn das aufs Jahr gerechnet kostet, achtet er darauf, dass die Maschine randvoll ist, bevor er sie einschaltet.
Hartz-IV-Empfänger beraten Hartz-IV-Empfänger – nach diesem Prinzip führen seit Anfang 2009 geschulte Langzeitarbeitslose beim Energiesparservice der Caritas Dortmund die Stromsparchecks in einkommensschwachen Haushalten durch. Das Projekt, das 2005 in Frankfurt entstanden ist und bundesweit Nachahmer gefunden hat, wird von der Caritas zusammen mit der Energieagentur Deutschland durchgeführt. In Dortmund führen derzeit 44 Energiesparhelfer rund 160 Beratungen monatlich durch. Der Caritas-Energiesparservice ist damit bundesweit das größte Angebot dieser Art.
Drei Ziele verfolgt das Projekt: Zum einen finden dort Langzeitarbeitslose eine sinnvolle und anspruchsvolle Beschäftigung. „Wir haben hier Leute ohne Ausbildung, aber auch Akademiker mit Migrationshintergrund, deren Abschluss in Deutschland nicht anerkannt wird“, verdeutlicht Energiesparservice-Leiterin Barbara Skindziel. Ein weiteres Ziel sei es, den Kohlendioxid-Verbrauch in den Haushalten dauerhaft zu senken. Und drittens wird mit der Initiative auch die Geldbörse von Menschen entlastet, die besonders darauf angewiesen sind: Zur Zielgruppe gehören einkommensschwache Haushalte, die staatliche Transferleistungen beziehen, also zum Beispiel Hartz IV, Sozialhilfe oder Wohngeld.
Das Angebot ist für die Kunden kostenlos. Durchschnittlich können sie durch eine Beratung 150 Euro Stromkosten pro Jahr sparen. Wer aber glaubt, dass die Interessenten deshalb beim Energiesparservice Schlange stehen, irrt: „Das Anwerben von Kunden ist schwierig“, so Skindziel. „Einkommensschwache Haushalte tun sich manchmal schwer damit, Fremde in ihre Wohnung zu lassen.“ Angst vor Kontrolle und Scham über die eigenen Lebensumstände seien mögliche Gründe für die Zurückhaltung. Um potentiellen Kunden die Hemmungen zu nehmen, wirbt der Energiesparservice offensiv beim Jobcenter, bei den Tafeln oder in Stadtteilbüros für sein Angebot.
Eine Beratung besteht jeweils aus zwei Besuchen. Beim Erstbesuch nehmen die Berater, die in Zweier-Teams arbeiten, eine Bestandsanalyse vor: Sie gucken, welche Geräte in der Wohnung stehen, wie alt diese sind und was sie in etwa verbrauchen. Beim Zweitbesuch wird dem Kunden dann ein maßgeschneiderter Plan mit Energiespar-Vorschlägen präsentiert. Außerdem bauen die Berater kostenlos Energiesparartikel im Wert von bis zu 70 Euro ein: Energiesparlampen, abschaltbare Steckdosen oder einen wassersparenden Duschkopf zum Beispiel.
Auch für Guido Z. haben die beiden Berater einen Korb voller Hilfsmittel mitgebracht. „Die helfen ein bisschen“, sagt Mario Iseppi, während er einen Wassersparkopf auf die Dusche des Kunden schraubt. „Wer richtig sparen will, muss aber hier anfangen“, sagt er und zeigt auf den Durchlauferhitzer im Badezimmer, den er als größten Stromfresser der Wohnung identifiziert hat.
Als die letzte Energiesparlampe eingeschraubt ist und der Kunde den Erhalt der Artikel quittiert hat, machen sich Iseppi und Marques wieder auf den Weg. Der Kunde ist zufrieden, und die Berater sind es auch: „Man stößt auf offene Ohren und offene Herzen. Die Leute sind dankbar, wenn sie einen guten Tipp von uns bekommen“, sagt Mario Iseppi. Der gelernte Energieelektroniker, der durch Krankheit arbeitslos wurde, kann sich gut vorstellen, dauerhaft in diesem Bereich zu arbeiten: „Ich fühle mich jedenfalls gut aufgehoben und komme gerne zur Arbeit.“ Gut möglich, dass der Brückenjob beim Energiesparservice für den 48-jährigen irgendwann zum Sprungbrett für einen regulären Job als Energieberater werden könnte.







