Aktuelle Ausgabe
2012-20

In Langeneicke musste der Kindergarten umziehen

Teddybären im Pfarrhaus

Langeneicke. Unerwartete Töne erschallen aus dem alten Pfarrhaus in Langeneicke bei Geseke. Lautes Kinderlachen, aufgeregtes Geschrei und das Trampeln Dutzender Füße dringt nach draußen auf den Kirchplatz. Vor dem Haus stehen zahllose kleine Fahrräder und Kettcars. Ungewöhnlicher Besuch in dem ehrwürdigen Gebäude: Der katholische Kindergarten ist vorübergehend in das Pfarrhaus gezogen.

Vorübergehende Heimat: Der Kindergarten Langeneicke im Pfarrhaus.Foto: Berbüsse

Nötig gemacht haben den Umzug umfangreiche Renovierungsmaßnahmen und eine Gesetzesänderung, erklärt Erzieherin Christiane Schnieders. Der richtige Kindergarten liegt auf der anderen Seite der St-Barbara-Kirche, höchstens hundert Meter vom Pfarrhaus entfernt. „Wir haben dort 50 Kinder“, sagt Schnieders. Diese sind normalerweise in zwei Gruppen eingeteilt: die „Teddybären“ und die „Schmetterlinge“. Die Kinder sind allesamt im Alter von drei bis sechs Jahren. Noch.
Um die Landesvorgaben (Kibiz) zu erfüllen, müssen nun auch Kinder unter drei Jahren aufgenommen werden. Für eine altersgemäße Betreuung seien dann allerdings Schlaf- und Wickelräume nötig. Die müssen im St-Barbara-Kindergarten allerdings erst noch geschaffen werden. Da passte es gut, so Schnieders, dass gleichzeitig ein Antrag auf Renovierung und Sanierung bewilligt worden war. So könne nun alles in einem Rutsch erledigt werden: Neben Schlaf- und Wickelräumen bekommt der St-Barbara-Kindergarten unter anderem einen neuen Anstrich und Fußboden.
„Auf der Baustelle ist natürlich kein Betrieb mehr möglich“, erklärt die 43-jährige Erzieherin. Da das alte Pfarrhaus aufgrund des Wegzugs des Vikars gerade leer stand, sei der Kindergarten dorthin ausgewichen. Fünf Tage lang wurden Schränke, Puzzle, Puppen, Bauklötze, Tische, Stühle und die kleinen Betten in das große Pfarrhaus geschafft. Das ist nun bis unters Dach von den Kindern in Beschlag genommen.
„Im Erdgeschoss haben wir den Frühstücks- und den Schlafraum“, sagt Christiane Schnieders und blickt in die Küche. Dort sitzen gerade zehn Jungen und Mädchen um einen kleinen Tisch herum und futtern belegte Brote. Statt wie gewohnt in ihrer Schmetterlings- oder Teddybärengruppe gemeinsam zu essen, müssen die Kinder im Pfarrhaus in fünf Schüben in die Küche gehen. Die Gruppenstruktur ist für die Zeit des Umzugs aufgelöst worden. Das habe allerdings positive Auswirkungen gehabt, wie Erzieherin Schnieders zu berichten weiß: „Unter den Kindern sind schon ganz neue Freundschaften entstanden!“
Spielen können sie gemeinsam im ersten und zweiten Stock. Da gibt es beispielsweise das Puppen- und das Bauklötze-Zimmer. In beiden geht es gerade hoch her: Da fliegen Puppen durch die Gegend und Türme aus Bausteinen werden umgestoßen. All das ist aufgrund der Holzböden im ganzen Haus zu hören. Damit ist es im Pfarrhaus viel lauter als im ebenerdigen St-Barabara-Kindergarten.
„Den Kindern fehlt hier einfach die Bewegung“, erklärt Christiane Schnieders. Das Pfarrhaus habe ja leider keinen Spielplatz. Deshalb freue sie sich, trotz der „schnuckeligen Atmosphäre“ des Pfarrhauses, auf den Juni: Dann soll es zurückgehen, auf die andere Seite der Kirche.
Birger Berbüsse


24.05.2012
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