Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Teurer Zivi-Ersatz

von Matthias Nückel

Dass die Reform der Bundeswehr komplizierter und auch teurer wird als geplant, muss Verteidigungsminister Thomas de Maziére bitter erfahren. Auch die Anwerbung von Freiwilligen gestaltet sich schwieriger, sodass der Minister die Planzahl schon gesenkt hat.

Ähnliches dürfte beim Ersatz für den Zivildienst geschehen. Weil mit dem Wegfall der Wehrpflicht auch der Zivildienst entfällt, müssen für diese Aufgaben ebenfalls Freiwillige gesucht werden. Ob alle Zivi-Stellen mit dem sogenannten Bundesfreiwilligendienst bestückt werden können, darf bezweifelt werden.

Die Universität Köln hat jetzt berechnet, wie teuer der Wegfall des Zivildienstes für uns alle werden könnte. Müssen alle Zivi-Stellen mit „normalen“ Arbeitskräften besetzt werden, kostet dies jährlich 1,7 Milliarden Euro. Selbst wenn sich die geplanten 30000 Freiwilligen für den Bundesfreiwilligendienst finden, bleiben noch Mehrkosten von 1,2 Milliarden Euro gegenüber dem Zivildienst.

Die Folgen der Bundeswehrreform, so notwendig sie vielleicht auch sein mag, werden wir alle noch teuer bezahlen müssen. Für die Zivis, die im Gesundheits- und Pflegebereich nicht mehr vorhanden sind, werden irgendwann wahrscheinlich die Beiträge zur Kranken- oder Pflegeversicherung steigen. Im sozialen Bereich werden die Kosten auf freie Träger oder auf die Steuerzahler zukommen.

Schlimmstenfalls gibt es in vielen Bereichen überhaupt keinen Ersatz für die Zivildienstleistenden. Das wäre unter sozialen Gesichtspunkten eine Katastrophe für unsere Gesellschaft, die mit Geld nicht aufzurechnen ist.


24.05.2012
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