Gedanken zum Evangelium
Transeamus usque Betlehem!
Wer sich auf den Weg nach Betlehem macht, wird verwandelt und bereichert in sein Leben zurückkehren.
von Alois Schröder
Betlehem wird in diesen Tagen wieder überlaufen sein. Hotels und Pensionen sind ausgebucht. Selbst Notquartiere sind vergeben. Keine Chance, eine Herberge zu bekommen; wie damals, als Maria und Josef dort waren.
Auch bei uns, in unseren Breiten, setzt Jahr für Jahr im Vorfeld von Weihnachten eine wahre Völkerwanderung ein. Menschen geraten in eine seltsame Unruhe. Was nur ist es, was so viele auf die Straße und in die Geschäfte treibt? Dazu wäre doch Zeit genug im Laufe des ganzen Jahres. Sollte nicht doch – mehr oder weniger bewusst – die Botschaft von Betlehem auch heute die Menschen in Bewegung geraten lassen? Spricht sie nicht eine zutiefst menschliche Sehnsucht an: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr“ (Lk 2,11).
Ja, wenn da doch jemand käme, der die Macht hat, uns zu retten und frei zu machen von allem Bösen; der die Macht hat, eine heile Welt herbeizuführen! Nicht von ungefähr waren es damals die Hirten, einfache Menschen, die von der Botschaft des Engels geradezu elektrisiert waren. „Kommt, wir gehen nach Betlehem (Transeamus usque Betlehem), um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr verkünden ließ.“ Die Hirten konnten gar nicht schnell genug dort sein. Mit eigenen Augen wollten und durften sie im Kind in der Krippe den verheißenen und lange erwarteten Messias sehen und erkennen. Voller Freude und voll des Lobes auf ihren Gott kehrten sie heim. Nun waren sie um die Gewissheit reicher geworden, dass sie nicht mehr allein waren, dass nun Gott mit ihnen war.
Die Sehnsucht nach einer besseren, nach einer heilen Welt im Großen wie im Kleinen, ist sie nicht auch in unseren Tagen zu spüren? Wenn doch ein Messias käme, der all das beseitigt, was uns weh tut; der all das herbeiführt, was uns gut tut! Und doch, Moment mal! Sagt nicht unser Glaube, dass er, der Messias, bereits gekommen ist und eine ganz neue Seite der Geschichte Gottes mit uns aufgeschlagen hat? Ja die Überraschung Gottes ist perfekt: Im Kind, das in der Krippe liegt, ist er mit uns auf Augenhöhe gegangen. Mehr noch: Er ist in Jesus Mensch und unser aller Bruder geworden!
Wie nur soll auch uns, wie damals den Hirten, ein Licht aufgehen, wenn wir nicht aufbrechen und dorthin gehen, wo dieser menschgewordene Gott sich finden lässt? „Sich aufmachen“, sich der Botschaft von Betlehem öffnen; und sich auf den Weg machen, der nach Betlehem führt, das ist der erste und auch notwendige Schritt, um vom „Wunder der Weihnacht“ beglückt und verwandelt zu werden! Das erlebten damals die einfachen Hirten und die weisen Männer aus dem Morgenland gleichermaßen.
Betlehem, das ist mehr als ein Ort! Betlehem ist überall dort, wo Gott durch uns zur Welt kommen darf; wo sich „Weihnachten“ ereignet als Wunder der Liebe; wo sich göttliche und menschliche Liebe vereinen; wo diese Liebe Gestalt annimmt in einem Menschenkind, in der Zuneigung von Mensch zu Mensch, in unserem Herzen, im hörenden Schweigen auf Gottes Wort, in den eucharistischen Gestalten von Brot und Wein, wo immer Gott mit und für uns da sein darf!
Transeamus usque Betlehem – Lasst uns dort hingehen, wo Gott sich finden lässt!
„Treuer Immanuel, werd auch in mir nun geboren.
Komm doch, mein Heiland, denn ohne dich bin ich verloren.
Wohne in mir, mache mich eins nun mir dir,
der mich zum Leben erkoren.“ (Gotteslob 144,5)







