Am zweiten Weihnachtstag singen an der Möhne wieder die Steffensknechte
„Traumergebnis“ für die Torte
Möhnetal. „Fui ruit hui im Innenhohrf, schoine Statt füor Ruitenblatt, und äaht eunen Bischouf, schoine junge Frau giev ues wat.“ Was sich nach einem Zungenbrecher anhört, ist die erste Strophe des plattdeutschen Liedes der Waldhausener Steffensknechte. Mit diesem Lied beehren gut zwei Dutzend junge Männer jedes Jahr am zweiten Weihnachtstag alle Haushalte der Dörfer Echelnpöten, Taubeneiche und Waldhausen und sammeln dabei Spenden ein.
von Dirk Lankowski
Die Waldhausener Tradition des Steffensknechtsingens begann vor über 80 Jahren. Damals sollte eine Kirche anstelle der St.-Barbara-Kapelle erbaut werden. Dafür musste die Pfarrgemeinde jedoch ein kleines Vermögen aufbringen. Also sollten Spenden von den Gemeindemitgliedern eingesammelt werden. Da fiel den Dorfbewohnern der Heilige Stephanus ein. Der damalige Diakon der Gemeinde von Jerusalem wurde im Jahr 36 als erster Christ für seinen Glauben hingerichtet. Seitdem wird seiner am zweiten Weihnachtstag gedacht.
Als seine Knechte stiefeln die Junggesellen des Dorfes seither jedes Jahr am zweiten Weihnachtstag los. Die gesammelten Sachspenden – Wäschekörbe voll Bratwürste, Wein, Sekt und Spirituosen – werden dann abends in der Schützenhalle an die Dorfbewohner meistbietend versteigert. Pfarrer Josef Sauerwald spendet für die Aktion in jedem Jahr einen Gutschein über eine von ihm selbst gebackene Sauerländer Kirschtorte. Insgesamt kommen dabei jedes Mal über 2000 Euro zusammen. Im vergangenen Jahr floss dieser Erlös beispielsweise in die Renovierungsarbeiten im Innenraum der St.-Barbara-Kirche, die jetzt erfolgreich abgeschlossen wurde.
Die kleinen Gruppen der Steffensknechte gehen jedes Jahr dieselbe Runde. Und diese beginnt für alle Junggesellen in derselben Gaststätte. Vom Gastwirt mit Bier und Schnaps versorgt und mit Spenden bedacht schmettern die Junggesellen aus voller Kehle das erste Mal am Nachmittag „Fui ruit hui im Innenhohrf…“ Danach teilt sich die Runde in drei Gruppen auf. Zehn der Steffensknechte machen sich zum ersten der rund 50 Häuser der „Waldhausener Rute“ auf. Die anderen teilen sich für „Echelnpöten“ und „Taubeneiche“ auf.
In jedem Haus wird die Schar der jungen Männer bereits erwartet und in die gute Stube geführt. Dort tischen Hausherr und Hausdame den Junggesellen kühles Bier, Schnaps und bisweilen auch selbst gebackene Plätzchen und andere Leckereien auf.
Die Versteigerung der Spenden findet am Abend in der Schützenhalle statt: „21 Euro zum Ersten, 21 Euro zum Zweiten… Bietet denn keiner mehr? 21 Euro zum Dritten… Verkauft!“ Ein lauter Knall, der Hammer schlägt auf die Tischplatte und 1,3 Meter frische Mettwurst gehen über den Tisch. Rund 100 Waldhausener kann Pfarrer Josef Sauerwald jedes Jahr zur Versteigerung der gesammelten Würste, Wein-, Bier- und Schnapsflaschen und weiteren Sachpreisen begrüßen.
Nicht nur, dass die Bewohner des Haardorfes bereits zuvor beim Rundgang der Steffensknechte reichlich Geld spenden, auch bei der Versteigerung wird nicht gegeizt. Das zeigt sich auch bei der „Sauerwälder Kirschtorte“. „Die Torte hat meistens zwischen 60 und 90 Euro eingebracht“, weiß Sauerwald. Im vergangenen Jahr waren es sogar stattliche 102 Euro – ein „Traumergebnis“, wie er selbst sagt.
Gute Preise erzielen aber auch die über einen Meter langen frischen Mettwürste, die versteigert und dann direkt in die Küche gebracht werden. Dort werden sie sogleich gebraten und noch am selben Abend verzehrt. Doch da immer etwas übrig bleibt, ist eines klar: In den meisten Haushalten des Haardorfes kommt dann in den nächsten Tagen beinahe ausschließlich Bratwurst auf den Mittagstisch.
Die jungen Gemeindemitglieder sind jedes Jahr zur Aktion bereit. In allen Dörfern an Möhne und auf der Haar finden sich Jugendliche, die sich für ihre Gemeinde engagieren. In manchen Pfarrgemeinden können durch die Ersparnisse der Steffensknechte sogar komplette Kirchenrenovierungen finanziert werden. Denn für einen guten Zweck, zumal mit solch schmackhaften Anregungen, lassen sich die Bewohner auch nicht lumpen.







