„Literaturtreff 60 plus“ entdeckt in Hamm für sich die Bücherwelt
Über 60 und die Nase tief im Buch
Hamm. „Ältere Menschen wollen nicht nur zusammen Kaffee trinken“, weiß Josef Osterhoff aus Erfahrung. „Viele Senioren haben mit dem Einstieg in den Ruhestand endlich ausreichend Zeit, sich auch ihren ganz persönlichen kulturellen und gesellschaftlichen Interessen zu widmen.“ Doch häufig fehle ein Angebot vor Ort.
von Elisabeth Plamper
Im Pastoralverbund Hamm-Mitte ist das seit gut zwei Jahren nicht mehr so. Dort bietet der „Literaturtreff 60 plus“ interessierten Senioren an, sich in lockerer Runde über die Vielfältigkeit von Büchern und Schriften ein Bild zu machen und ihre Eindrücke auszutauschen. Eingebunden sind die monatlichen Treffen im Veranstaltungsangebot des Katholischen Bildungswerkes Hellweg (KBW).
Als der Pastoralverbund Hamm-Mitte mit den Kirchengemeinden Herz Jesu, St. Georg und St. Agnes eingerichtet wurde, stellte sich Osterhoff der Herausforderung, das bestehende Angebot für Senioren sinnvoll zu erweitern. Dabei kam ihm seine über 25-jährige Erfahrung in der Gemeindearbeit zugute. Kompetente Mitstreiterinnen fand er in Gerdamarie Siegmann und der Vorsitzenden des Katholischen Bildungswerkes Hellweg (KBW) Sigrid Baer.
Inzwischen hat der „Literaturtreff 60 plus“ eine feste Anhängerschaft. Im Mittelpunkt stehen Vorträge kompetenter Referenten, Lesungen oder eigene Beiträge aus den Reihen der Teilnehmer. So stellten im vergangenen Halbjahr im ehemaligen Klösterchen, heute Roncalli-Gemeindehaus an der Ostenallee in Hamm, Gerdamarie Siegmann, Dagmar Bielefeld und Sigrid Baer Erzählungen und Hintergründiges von Elke Heidenreich vor. Verschiedene Buchveröffentlichungen der evangelischen Theologin Margot Käßmann standen ebenfalls bei einem Treffen zur Diskussion. Zudem wandelten die „60 plus-ler“ mit Dr. Maria Perrefort auf den Spuren des 725 Jahre alten Bad Hamm.
Themen zur Religion, Zeit- und Regionalgeschichte, Lebensberichte, Gedichte oder Romane, mal ernst und tiefgründig, mal humorvoll und liebenswert, das Angebot ist breit gefächert und bietet für jeden etwas. „Es muss auch nicht jeder an allen Veranstaltungen teilnehmen“, betont Sigrid Baer, „aber es kann sich jeder auch einbringen und zum Beispiel von eigenen Lese-erfahrungen berichten, etwas vortragen oder ein Thema für eine Veranstaltung vorschlagen.“
Angesprochen fühlen sollen sich insbesondere kultur- und literaturinteressierte Senioren, „die nicht nur sporadisch an Lesungen oder Buchpräsentationen teilnehmen möchten. Sie bevorzugen eher ein Forum in Form eines ‚Erzählcafés‘, das ihnen kontinuierlich die Möglichkeit zum themenorientierten Gedankenaustausch bietet.“ So werde auch auf die soziale Komponente Wert gelegt und es habe sich inzwischen ein vertrautes Miteinander auf der Basis gegenseitiger Toleranz und Wertschätzung mit einer gleichzeitig angenehmen Distanz entwickelt.
Auf die neuen Veranstaltungen ab September dürfen die Teilnehmer sich jetzt schon freuen. Am 21. September geht’s los mit „Laura und Leopold liebten sich lüstern“ von Günther Nehm. Wer schon einmal etwas von ihm gelesen hat, lernt normalerweise schnell den Humor in Reim und Vers des Ruhrgebietsdichters zu schätzen und kann über seine Wortspiele herzlich lachen. Gudrun Kieserling aus Hamm, Nehm bezeichnet sie auch als seine beste Interpretin, wird rezitieren.
Am 19. Oktober steht die Stadt Hamm im Mittelpunkt des Geschehens. „Hamm ist bekannt dafür ... 8 Touren, 144 Tipps und 26 Liebeserklärungen“, so lautet der Titel der Veranstaltung. Die reizvollen Seiten aber auch die Narben und Falten im Gesicht der Stadt zeigt die Journalistin, Geografin und Autorin Ursula Pfennig. Um „Unsere Weihnachtslieder und ihre Geschichte“ von Guido Fuchs, Leiter des Instituts für Liturgie und Alltagskultur in Hildesheim, geht’s am 21. Dezember unter Federführung von Di-plom-Theologin Sigrid Baer.







