Aktuelle Ausgabe
2012-20

Christlich-jüdischer Dialog über den Gebrauch der Bibel

Unterschiedliche Leseweise

Hatten zum christlich-jüdischen Gespräch eingeladen (v.l.): Moderator und Theologe Johannes Bremer, Pfarrerin Barbara von Bremen, der katholische Pfarrer Norbert Neu, Rabbiner Dr. Henry G. Brandt und Sigrid Schäfer von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit.Foto: pdp

Dortmund (pdp). Ist das Alte Testament, die „Bibel Israels“, Grundlage des christlich-jüdischen Dialogs? Diese Frage stand in der evangelischen Petri-Kirche in Dortmund im Mittelpunkt einer Veranstaltung der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Kooperation mit dem Katholischen Bildungswerk und der Katholischen Akademie Schwerte.

Rabbiner Dr. Henry Brandt, bis 2004 Landesrabbiner von Westfalen-Lippe, erläuterte den Besuchern die unterschiedlichen Lesarten der biblischen Texte. „Juden und Christen lesen die gleichen Worte, aber trotzdem ein unterschiedliches Buch“, so Brandt. Prof. em. Dr. Erich Zenger (Münster), der mit Rabbiner Brandt auf dem Podium diskutieren sollte, war kurzfristig verhindert und so stellte Brandt den Zuhörern die jüdische Perspektive vor.
Demnach ist die hebräische Bibel, das Alte Testament, eine für sich abgeschlossene Schrift, die keiner Ergänzung bedarf. Christen hingegen würden das Neue Testament als eine Fortschreibung der Bibel ansehen, so Brandt. Viele Texte darin, insbesondere die ethischen Weisungen, seien auch mit dem jüdischen Glauben vereinbar, andere hingegen, etwa die „Paulinischen Briefe“, jedoch nicht.
Nach Rabbiner Brandt geht es im Dialog aber nicht um „Gleichmacherei“, sondern um „Verständnis und Respekt vor den Unterschieden“. Erst mit entsprechenden Erklärungen des Konzils sowie vergleichbaren Positionen der evangelischen Kirche sei ein christlich-jüdischer Dialog auf der Grundlage der Bibel möglich geworden. „Diese gegenseitige Anerkennung ist das Fundament des Dialogs“, erklärte der Rabbiner.


24.05.2012
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