Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Viel besser als sein Ruf

von Andreas Wiedenhaus 

Bei einer Rangliste der am wenigsten beliebten Monate hätte der November gute Chancen auf die unangefochtene Spitzenposition: „Dunkel, kalt, ungemütlich“ – so lauten nur einige der zahlreichen negativen Urteile über den Monat mit dem wohl schlechtesten Image. Das Wetter schlägt manchem so auf das Gemüt, dass sogar von Depressionen die Rede ist. 

Dabei ist diese Zeit viel besser als ihr Ruf – wenn man ihr die Chance gibt, die sie verdient hat. Doch diese Chance bekommt sie kaum noch. Denn Stille und Einkehr passen nicht in das Bild unserer modernen Welt, in der immer etwas los sein muss. „Halloween“ ist ein gutes Beispiel dafür, wie versucht wird, die vorgebliche „Leere“ in der dunklen Jahreszeit zu füllen – wenn auch nur mit Schnickschnack und Radau. Aber für viele immer noch besser als gar nichts. Dieses „Fest“ ist mittlerweile auch hierzulande fest etabliert – aus den unterschiedlichsten Gründen: Zum einen lässt es sich hervorragend vermarkten, zum anderen verspricht es „Action“.

Und wenn die Kürbisse ausgedient haben, beginnt für viele die vorgezogene Adventszeit. Schon leuchten in den Fenstern die ersten vorweihnachtlichen Lichter, die verschiedensten Deko-Artikel liegen lange bereit. Spekulatius und alles andere ist eh seit September verfügbar.

Das Wettern gegen Halloween und Lebkuchen im Oktober ist aber wohl vergeblich. Effektiver und entspannender ist es, sich „auszuklinken“.  Jetzt ist die Gelegenheit, sich Zeit zu nehmen. Zeit für die Stille, nach der sich die Menschen doch angeblich so sehnen. Wer dem November keine Chance gibt, der verpasst eine ganze Menge. 


24.05.2012
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