Aktuelle Ausgabe
2012-20

Ein Buch des Hammer Autors Hans-Jürgen Zacher über die Synagogengemeinde Werl

Vor dem Vergessen bewahrt

Auf über 180 Seiten zeichnet Hans-Jürgen Zacher ein beeindruckens Bild der Werler Synagogengemeinde.

Werl (-haus). Mit seinem Buch „Die Synagogengemeinde Werl von 1847 bis 1941“ hat Dr. Hans-Jürgen Zacher aus Hamm ein Werk vorgelegt, das sich nicht nur eingehend mit der Geschichte der jüdischen Gemeinde in der Kleinstadt befasst, sondern das darüber hinaus minutiös das Schicksal jüdischer Bürger von den ersten antisemitischen Ausschreitungen bis hin zur systematischen Vernichtung beschreibt. Das Buch ist im Paderborner Bonifatius-Verlag erschienen. 

„Ich habe mir die Aufgabe gestellt, die Geschichte der jüdischen Gemeinde Werls über einen Zeitraum von fast 100 Jahren nachzuzeichnen“, schreibt Zacher im Vorwort des Buches, das weitgehend seiner Dissertation aus dem Jahr 1988 folgt. „Dabei“, so der Autor weiter, „nehmen die Verfolgung und die Zerstörung der jüdischen Gemeinde einen besonders breiten Raum ein, weil ich es für eine wichtige Aufgabe halte, diesen Teil der deutschen Geschichte dem Dunkel des Verdrängens und Vergessens zu entreißen.“ Nach seinem Verständnis, so Zacher, sei der Holocaust nicht ein „Ausrutscher“ der Geschichte, sondern ein grausamer Beleg dafür, wie weit Menschsein verfehlt werden könne.

Die Beschreibung der systematischen Verfolgungen der jüdischen Bürger bilden den zweiten Teil des Buches. Im Mittelpunkt des ersten Teils stehen das religiöse, soziale und kulturelle Leben und Wirken der Synagogengemeinde bis zum Jahr 1932.

Die Grundlage hierfür stellten die Protokolle der Repräsentantensitzungen und weitere Originalunterlagen dar. Auf gut 70 Seiten entsteht so im ersten Teil des Buches eine detaillierte Übersicht über das jüdische Leben in Werl bis zum Beginn des Dritten Reiches.

Der Autor widmet sich den rechtlichen Grundlagen der Gemeinde dabei ebenso wie etwa jüdischen Vereinen, der Elementarschule und natürlich der Synagoge selbst. So gelingen Einblicke in vielfach unbekannte Bereiche jüdischen Lebens in Deutschland. Sie verdeutlichen eindrucksvoll den kulturellen Verlust, der mit dem millionenfachen Massenmord einherging.

Die Entwicklungen, die zu diesem Massenmord führten, beschreibt Zacher auf den folgenden rund 70 Seiten. Dabei zeigt er anhand der Zerstörung der Synagoge beispielhaft auf, dass diese keineswegs blindwütiger Zerstörungswut von Nazi-Randalierern geschuldet war, sondern dass diesen Aktionen gegen Synagogen und Privathäusern jüdischer Bürger ein strategischer Plan zugrunde lag. Die antijüdischen Maßnahmen erreichten einen neuen Höhepunkt. Gleichzeitig wurde so ein weiterer Schritt in Richtung Deportation und Ermordung getan.

Dieser „Endlösung“ fielen alle jüdischen Bürger Werls zum Opfer. Zacher zeigt einige Schicksale auf, die ihm bekannt wurden. Letztlich ist es ihm gelungen, die Namen der in den Konzentrationslagern ermordeten Werler Juden zusammenzutragen. Erstmals wird die Liste in diesem Buch veröffentlicht.

„Meine Arbeit kann beschrieben werden als das Zusammenfügen eines Puzzles ohne Vorlage, dessen wichtigste Elemente verschwunden und vernichtet waren“, heißt es zum Ende des Vorwortes. Zacher hat aus akribisch recherchierten Elementen ein beeindruckendes Bild der jüdischen Gemeinde und ihrer Menschen gezeichnet. In vielen Bereichen hat er Pionierarbeit geleistet. 

Info

Hans-Jürgen Zacher, Die Synagogengemeinde Werl von 1847 bis 1941, Bonifatius-Verlag, ISBN 978-3-89710-426-6, 184 Seiten, 27,90 Eu


24.05.2012
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