Dr. Christian Hennecke sprach vor Vertretern des Dekanates Hagen-Witten über Veränderungen
Vor einem „epochalen“ Umbruch
Hagen/Schwerte. Die Stimmung schwankte zwischen Verzagtheit und Optimismus. Mehr als 100 Vertreter aus katholischen Gemeinden des Dekanates Hagen-Witten hatten sich einen langen Abend der Frage gestellt: „Was hat Gott mit seiner Kirche vor?“ Am Ende war allen klar: Auf dem Weg der Veränderungen in der Kirche stehen sie gerade erst am Anfang.
In der Katholischen Akademie Schwerte stand ein Vortrag von Dr. Christian Hennecke im Mittelpunkt. Titel: „Kirche, die über den Jordan geht“. Darin beschrieb der katholische Priester aus Hildesheim seine Vision von der Kirche der Zukunft. „Kirche wird nur dann leben, wenn sie dezentral ist – mit zentralen Strukturen“, glaubt Hennecke. „Überall da entsteht Kirche, wo Menschen im Namen Christi verbunden sind.“ Hennecke, Regens des Priesterseminars in Hildesheim, klingt optimistisch: „Es ist kein Problem. Es ist ein Umbruch.“ Und: „Kirche befindet sich in einem epochalen Übergang.“
Ganz unproblematisch sehen seine Zuhörer die Lage nicht. Ob Priester, Mitarbeiter der Pastoralteams oder Pfarrgemeinderäte – sie alle sind an der erneuten Umstrukturierung des Dekanats beteiligt. Langfristig sollen aus neun Pastoralverbünden vier werden, weitreichende Veränderungen sind die Folge.
Diese Veränderungen sollten, so Henneckes Vorstellung, nicht mit der Option angegangen werden, alles zu bewahren, was derzeit da ist. „Die Vision Gottes ist die Zukunft. Ist sie in unserem Herzen? Den ersten Christen ging es ähnlich. Sie wussten nicht, wie es weitergeht.“ So mögen sich die Katholiken im Dekanat vielleicht auch fühlen. Hennecke beschwor sie, auf ein Ziel hin zu leben. „Ohne Ziel geht man nicht los. Ohne Ziel ist jeder Schritt gleich wichtig, vor oder zurück.“
Erneuerung sei das Hauptwort Gottes. Diese Erneuerung passiere gerade mit der Kirche. Daher bat er seine Zuhörer, nach vorn zu schauen und nicht nur zurück. Dass die Zahl der Gottesdienstbesucher von vor 50 Jahren nicht mehr mit der heutigen vergleichbar sei, habe mit veränderten Umständen zu tun. Früher ging jeder zur Kirche, weil es üblich war. Heute aber sei der Kirchenbesuch eine bewusste Entscheidung. Und das etwas Gutes. Der heutige Zugang zum Glauben sei ein anderer. „Die Gesellschaft weiß nicht, was Christentum überhaupt ist.“ Die Folgen durchlebt das Dekanat gerade. Pfarreien werden zusammengelegt, Geldmangel bestimmt den Alltag, der Mangel an Priestern erfordert neue Strukturen.
Diese aber wertet Hennecke als wichtigen Aufbruch. Nicht der Streit um den Erhalt der Zehn-Uhr-Messe sei nötig. Er warnte davor, nur dafür zu sorgen, dass alles so bleibt, wie es ist. Die Frage nach dem Namen einer Gemeinde sei keine Zukunftsfrage. Nötig seien Glaubenskurse für Erwachsene. Außerdem werde die Kirche der Zukunft viel mehr Formen haben als bisher. „Sie wird dynamischer sein, dezentraler, in kleinen Gemeinschaften gelebt.“ Zudem bekämen Priester und Laien neue Rollen.
„Wir brauchen einen anderen Blickwinkel“, erkannte Klaus Nolte, Pfarrgemeinderats-Vorsitzender aus St. Andreas in Helfe. Damit stimmte er mit Dechant Dieter Osthus überein. „Das ist ein ganz anderes Kirchenbild, in dem Glaube anders gelebt wird“, meinte der Seelsorger. Werner König, Pastor in St. Bonifatius Haspe, glaubt, dass eine Dezentralisierung durchaus möglich ist, „wenn Laien mehr machen. Kleine Gemeinschaften kann man stärken, wenn man nicht so priesterzentriert denkt“.
So empfand der Dechant, dass an diesem Abend, durchaus ein Stück über den Jordan, oder, um auf Hagener Gebiet zu bleiben, über die Volme gegangen wurde. Auch, wenn das Ufer lange noch nicht erreicht sei.







