Gedanken zum Evangelium
Wach bleiben und Einsatz wagen
Mit dem Markus-Evangelium zum 1. Advent könnten zurzeit auch die Börsen in aller Welt eröffnen: „Seht euch also vor, und bleibt wach! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist.“ Wenn einige sich mit „virtuellem Geld“ verspekulieren, müssen alle in der Real-Wirtschaft dafür zahlen. Und wie ist es mit dem bloß „virtuellen“ Glauben, so fragt Diakon Klaus Krüger.
von Klaus Krüger
Markus zählt nicht zu den „Wirtschaftsweisen“, aber er spricht vom realen Leben. Er bezeugt uns die Wirklichkeit Gottes in unserer Welt. Wir sollten wachsam sein und seinen Text nicht nur im Rahmen der „Naherwartung“ der frühen Christenheit interpretieren. „Naherwartung“ bezeichnet die Überzeugung, dass das Ende der Welt kurz bevorsteht. Immer wieder finden sich Menschen, die diesen Zeitpunkt meinen berechnen zu können.
Diese Endzeit-Kalkulationen sind virtuelles Glaubenskapital ohne realen Wert. Gott ist nicht „berechenbar“, deshalb können auch Computer keine Glaubensfragen beantworten. Wir sind aber immer wieder der Versuchung ausgesetzt, mit „virtuellem Kapital“ zu spekulieren. Wie real sind etwa die Grenzen zwischen Konfessionen, Religionen und Menschen? Hat dies immer mit der Realität Gottes zu tun? Oft stoßen wir auf Mauern unreflektierter Rechthaberei oder müssen uns gegen „irdische“ Interessen an Macht und Einfluss wehren, denn wir treffen nicht immer auf „Propheten“, sondern auch auf Religionsspekulanten. Sie benutzen die Ängste der Menschen vor dem, was anders und fremd ist, und deren Befürchtung, das „Falsche“ zu glauben. Markus warnt: „Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Seid wachsam!“ „Virtuelles Kapital“ löst Krisen aus, der Herr aber ist „real“ und verlässlich. Der Glaube ist eine krisensichere Anlage. Allerdings muss auch hier investiert werden. Der Einsatz Gottes ist hoch. Wir bereiten uns auf das Fest der Geburt seines Sohnes vor. Christus investiert für uns sein Leben, so real wie Heu in der Krippe und so grausam wie Nägel am Kreuz. Dadurch sind wir bereits erlöst und unser Leben ist gerettet. Es hängt aber von uns ab, was wir daraus machen.
Welches ist unser Einsatz? Virtueller Glaube ist so glatt wie Börsenparkett und taugt nicht als Fundament des Lebens. „Taufscheinchristen“ haben eben nur ein Stück Papier in der Hand. Vergessen wir das mit der „Himmels-Aktie“. Unser Glaube, den wir mit der Taufe bekennen, ist eine Investition in Gott, dessen Zusage an uns kein Verfallsdatum hat. Unser eigenes Leben auf Gott hin wagen, das ist unser Einsatz.
Wach bleiben, das bedeutet: auf Gottes Einsatz vertrauen. Unsere Hoffnung und unser Trost haben ein Fundament. Und so können wir auch hoffen, dass in der Real-Wirtschaft – die nicht grundsätzlich gottverlassen ist – aus „Aktienpapieren“ doch wieder Wertpapiere werden, denn an den Börsen, in Wirtschaft und Politik gibt es selbstverständlich auch redliche Profis. Ihnen muss es gelingen, den Gierigen Grenzen zu setzen.
Advent bedeutet „Ankunft“. Nicht irgendwo vor langer Zeit im fernen Bethlehem, sondern in mir. Gottes Sohn will zu uns, damit die Liebe Gottes unsere Herzen erreicht und der Friede der heiligen Nacht nicht „virtuell“ bleibt. In Wachsamkeit haben wir noch einiges vorzubereiten. Dies ist eine Chance – alle Jahre wieder.







