Kommentar
Was hat Wulff gemeint?
von Matthias Nückel
Auch zwei Wochen nach dem „Tag der Deutschen Einheit“ sorgt die Festrede von Bundespräsident Christian Wulff weiter für heftige Debatten. Es geht vor allem um den einen Satz, dass der Islam Teil Deutschlands sei. Diese Aussage stößt auf Widerspruch. Zu Recht!
In der verkürzten Form, wie dieser Satz gesagt wurde, ist er nicht haltbar. Es ist schlicht Geschichtsklitterung, den Islam in Deutschland in einer Reihe mit dem Christentum zu nennen. Unsere Gesellschaft basiert auf der christlich-abendländischen Kultur. Auch unsere staatliche Ordnung ist stark davon beeinflusst. Rund zwei Drittel der Bevölkerung sind Christen.
Der Islam hat in der deutschen Geschichte keine Rolle gespielt. Auch heute sind die Muslime – übrigens noch hinter den Konfessionslosen – eine Minderheit. Und dass der Islam Einfluss auf unsere gesellschaftliche und staatliche Ordnung bekommt, davor sollten wir uns hüten.
Die Debatte der Parteien um Wulffs Rede ist von Vereinfachungen geprägt. SPD, Grüne, aber auch Teile der Union stimmen dem Präsidenten zu. So bekräftigte etwa Bundesinnenminister Thomas de Maziére ausdrücklich Wulffs Feststellung. Manche Politiker wollen gar den Islam mit den christlichen Kirchen gleichstellen. Dass dies schon aus organisatorischen Gründen nicht geht, weil der Islam keine kirchlichen Strukturen hat, wird der Einfachheit halber ausgeklammert.
Der Präsident hat eine unsägliche Debatte losgetreten. Er sollte endlich sagen, was er wirklich gemeint hat. Sollte er allerdings den Satz in der gesagten Form gemeint haben, dann ist Wullf im höchsten Staatsamt eine Fehlbesetzung.






