Aktuelle Ausgabe
2012-20

In seinem Jahresbericht stellt der ksd Hamm die Armutsfrage

Was heißt Armut?

Zufrieden mit dem Start der Gewaltberatung: ksd-Geschäftsführer Andreas Thiemann (l.) und Gewaltberater Andreas Moorkamp. Foto: Berbüsse

Hamm (ber). „Sind Sie arm?“ Mit dieser Frage leitet der Katholische Sozialdienst (ksd) in Hamm seinen Jahresbericht 2008 ein. Im Vorwort setzt er sich mit der Definition von Armut auseinander und verweist davon auf die vielen Angebote des ksd, einschließlich der neu eingeführten Gewaltberatung.

Vor einiger Zeit sei beim ksd die Anfrage eingegangen, welche seiner Angebote dem Bereich der „Armutspräventation“ zuzuordnen seien, berichtet Geschäftsführer Andreas Thiemann im Vorwort. An dieser Stelle könne der ksd natürlich auf die vielfach besuchte Schuldner- und Insolvenzberatung sowie die vielen Beratungsstellen zur Existenzsicherung und Entschuldungsprozesse hinweisen.
„Aber die Frage hat uns ins Nachdenken gebracht: Was bedeutet denn arm?“ heißt es weiter. Selbstverständlich gehe es zunächst um die Sicherung der Existenz und die psycho-sozialen Belastungen, in die die knappen Budgets eine Familie führen können. Aber es ginge auch um Bildungschancen, Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen und die Überwindung individueller Probleme. Kennzeichen seien dann oft erzieherische Sorgen, Kindeswohlgefährdungen, Gewalt in Familien, Überforderung bei der Lebensbewältigung, Wohnungslosigkeit und weiteres.
Der ksd sei zu dem Schluss gekommen, dass somit alle seine Dienste – von der Stadtteilbetreuung über das betreute Wohnen, vom Pflegekinderdienst und den begleiteten Umgang – der Armutsprävention zuzuordnen sei. Letztendlich dienten sie alle der sozialen Gerechtikeit.
Zu den bereits bestehenden Diensten ist im jahr 2008 noch ein weiterer hinzugekommen: Gewaltberatung für Männer (Der DOM berichtete). Denn das „Ausmaß von häuslicher Gewalt von Männern an Frauen und Kindern ist erschreckend“, heißt es im Jahresbericht der ksd. Glücklicherweise gebe es zwar zahlreiche Hilfen für die Opfer, jedoch in der Region kaum Ansatzpunkte für die Täter. Es bedürfe aber zusätzlicher beraterischer Hilfen, um nachhaltiger an den Ursachen der Gewalt anzusetzen und den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen.
Gemeinsam mit dem Caritasverband Herne und dem Verband für katholische soziale Dienste (SKM) Münster sei deshalb ein entsprechendes Netzwerk gegründet worden. Das wichtigste Ziel der Beratung sei, dass der Mann Verantwortung für sich und seine Tat übernehme und dadurch seine Lebenssituation ändere: „Täterarbeit ist für uns Opferschutz“, sagt der ksd. Die ersten Erfolge würden Recht geben. Denn die Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit und die ersten Anfragen von Männern zeigten, dass sich etwas bewegen und verändern lässt.


24.05.2012
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