Aktuelle Ausgabe
2012-20

Gedanken zum Evangelium

Was kommt nach dem Tod?

Manfred Pollmeier ist Pfarrer von St. Laurentius Löhne und Leiter des Pastoralverbundes Löhne-Vlotho.

Der Glaube an ein Leben nach dem Tod begründet die Hoffnung, dass Gott etwas Neues aus unserem irdischen Leben macht. Das stellt Pfarrer Manfred Pollmeier in seinem Beitrag heraus. 

von Manfred Pollmeier 

Ist nach dem Tod alles aus oder sehe ich meine Lieben im Himmel wieder? Wir Menschen stellen diese Frage seit jeher, auch ohne konkreten Anlass zur Trauer. Dabei ist diese Frage zweigeteilt: Erstens geht es darum, ob es überhaupt ein Leben nach dem Tod gibt. Und zweitens stellt sich die Frage, wie denn das Leben nach dem Tod aussehen wird. Dabei ist der Glaube an das ewige Leben selbst bei Christen keine Selbstverständlichkeit. Nichts ist sicherer als der Tod, und es ist noch keiner wieder zurückgekommen, so denken viele.

Zur Zeit Jesu war das eine wichtige, eine umstrittene Frage; eine Frage, die das damalige Judentum in verschiedene Lager spaltete. Das heutige Evangelium überliefert ein Beispiel dafür. Die Sadduzäer, eine Lehrgruppe der jüdischen Gesellschaft, bestritten eine Auferstehung nach dem Tod. Sie lehnten den Glauben an ein Leben nach dem Tod strikt ab. Ihre Theologie richtete sich auf das irdische Leben. Und so stand der Machterhalt der religiösen Ämter im Tempel sowie das Arrangement mit der römischen Besatzungsmacht usw. im Vordergrund. Andere dagegen – die Pharisäer – bekräftigten den Glauben an ein Leben nach dem Tod.

Im heutigen Evangelium provozieren die Sadduzäer Jesus mit einer konstruierten Frage. Doch Jesus kontert mit dem Hinweis auf die Schrift, die die Sadduzäer doch kennen sollten. Der Gott, der sich im brennenden Dornbusch als der Ich-bin-da geoffenbart hat, wird seinem Namen auch im Tod treu bleiben. Gott ist kein Gott von Toten, sondern von Lebenden. 

Aber wie wird das Leben nach dem Tod einmal aussehen? Wir müssen wohl zugeben, dass viele Antworten bei dieser Frage nur Andeutungen sein können. Den „Himmel“ kann man nicht definieren. Die einzig sinnvolle Antwort für den Christen ist die Hoffnung auf eine ganz persönliche und individuelle Begegnung mit Gott. Diese Begegnung ist keine „ewige Ruhe“ im Sinne von Friedhofsruhe, sondern vielmehr ein Aufgehobensein in seiner Liebe.

Dabei glaubt der Christ nicht an eine Verlängerung des irdischen Lebens ins Unendliche oder an eine Verbesserung unseres jetzigen Zustandes. Denn dies würde zu kurz greifen. Ein entscheidendes Wort der Bibel ist in diesem Zusammenhang das Wort „neu“. „Seht, ich mache alles neu“, sagt Christus in der geheimen Offenbarung des Johannes. Und das kann ja nur heißen, dass dann etwas beginnt, das mit dem irdischen Leben nichts mehr zu tun hat. Gott ist aber auch ein Gott der Geschichte, was meines Erachtens bedeutet, nichts geht verloren, sondern es wird vollendet. Gott macht in seiner unendlichen Liebe nun etwas Neues aus meinem individuellen und persönlichen Leben.

Ob wir unsere Lieben wiedersehen, weiß Gott allein. Doch schon heute wissen wir, dass von uns geliebte Menschen für eine Gottesbegegnung förderlich sein können. Warum soll das dann nicht im Himmel sein?

Wer im Gegensatz zu den Sadduzäern und vielen Menschen in der heutigen Zeit an ein Leben nach dem Tod glaubt, wird schon jetzt hoffnungsvoller und froher in die Zukunft blicken. Das Leben hier und jetzt mit all seinen Tiefen und Leiden und seinen Begrenzungen hat stets eine Perspektive. So lädt uns Jesus ein, das Leben schon jetzt zu lieben und dafür zu sorgen, dass alle Menschen an einem würdigen Leben teilhaben, weil Gott unser aller Leben vollenden will.

 

 


24.05.2012
Impressum | Kontakt
4002