Gedanken zum Evangelium
Wegbereiter für Gott sein!
Der Advent lässt uns fragen, wo und auf welche Weise wir Gott den Weg in unsere Welt bahnen können.
von Maria Beineke-Koch
Es mag Ihnen ähnlich ergehen wie mir, wenn die Worte der ersten Lesung dieses Sonntags vorgetragen werden. Jedes Jahr im Advent freue ich mich darauf, diesen uralten prophetischen Text zu hören; die großen Verheißungen, die eine tiefe Sehnsucht ansprechen. Heute begegnen wir den Heilsworten eines unbekannten Propheten, Deuterojesaja genannt. Er richtet sich mit seiner Botschaft an das Volk Israel, das im babylonischen Exil lebt. „Tröstet, tröstet mein Volk!“ So lautet der Auftrag des Propheten. Er tröstet die Menschen mit einer großen Vision. Gott wird sich ihnen zuwenden. Er wird kommen und das Volk Israel aus dem Exil zurück in die Heimat führen. Der Prophet ermutigt die Menschen, auf diesen Gott neu ihr Vertrauen zu setzen und ihm den Weg zu bereiten.
Diese uralten Worte und tiefen Bilder gelten auch uns und können innerlich aufrichten und ermutigen. „Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut in der Steppe eine ebene Straße für unseren Gott! Jedes Tal soll sich heben, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, und was hügelig ist, werde eben.“
Nun sollen wir sicherlich keine Straßenbauarbeiter werden, sondern die Hindernisse aus dem Weg räumen, die Gott an seinem Kommen in diese Welt hindern. Das Krumme soll gerade werden. Welch wohltuende Botschaft! All das, was ich als krumm erlebe, als nicht gelungen, als hinderlich, wird beiseite geräumt. Wie schön, wenn das Krumme gerade wird und alles bereitet ist für das Kommen Gottes in meine und unsere Welt. Welch große Verheißung und gleichzeitig eigene Aufgabe! Den Weg Gottes bereiten! Advent, die Zeit des Wartens ist gerade nicht eine Zeit der Passivität, sondern eine Zeit der wachen Erwartung, der Aufmerksamkeit.
Wie kann ich das umsetzen? Da kann uns Johannes der Täufer ein Beispiel geben. Er, der Wegbereiter Jesu, erinnert sich an die Worte Deuterojesajas und greift sie in seiner eigenen Predigt auf. Er vertraut dieser Botschaft und kann das Kommen Gottes in Jesus erahnen. Diese Ahnung drängt ihn, aus dem gewohnten Alltag auszubrechen. Er ändert seine Lebensweise, lebt sehr einfach, ärmlich, fängt an zu predigen und ruft zur Umkehr auf. Er handelt aus einem tiefen Vertrauen auf Gott und gibt Zeugnis von seiner Hoffnung. So bereitet er den Weg für Jesus.
An Johannes können wir Maß nehmen. Aufmerksam, mit wachem Herzen der Verheißung Gottes einen Weg bahnen, indem wir den Enttäuschungen, den Zweifeln, der Resignation nicht das letzte Wort lassen, sondern uns an der Botschaft des Johannes ausrichten: Gottes Kommen einen Weg bahnen im Umgang mit den Menschen neben uns, indem wir manches Missverständnis, manche Voreingenommenheit, manchen Streit aus dem Weg räumen und in unserem persönlichen Umfeld von unserem Gottvertrauen Zeugnis geben. Engagiert eintreten für eine Umkehr in unserer leistungs- und wohlstandsorientierten Gesellschaft und konkret handeln im Sinne einer gerechten Teilhabe aller!
So sehr wir uns auch an den geschmückten Tannenbäumen freuen, an dem Fest in der Familie und den Geschenken oder an stimmungsvollen Weihnachtsgottesdiensten, davon hängt das Kommen Gottes in Jesus nicht ab. Sondern davon, ob wir ihm den Weg bereiten in unserem Herzen, unserem persönlichen Umfeld, in den größeren gesellschaftlichen Zusammenhängen. Wenn das Krumme gerade wird, dann kann wirklich Weihnachten werden.







